Forstdirektion - "haus Salzkammergut"

Von der k. k. Salinen- und Forstdirektion“ zum „haus salzkammergut“

Adressen:    
ursprünglich Traundorf 123, dann Klosterplatz 2 und Georgstraße 2
seit den 1960er Jahren Klosterplatz 1

Das imposante Haus wurde 1838/39 als weiteres Amtsgebäude des Salzamtes zusätzlich zum Kammerhofkomplex gebaut, da die dort vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichend waren. Damals wurde es einfach Salzamtshaus genannt. Ab Anfang 1850 befand sich darin die „k. k. Salinen- und Forstdirektion für das Kronland Österreich ob der Enns“, on 1876 bis 1925 die „k. k. Forst- und Domänendirektion Gmunden“. Nach Auflösung der Forst- und Domänendirektion wurden die Salzkammergutforste 1926 der neu errichteten Generaldirektion der österreichischen Bundesforste unterstellt. Das Amt hieß nun offiziell Bundesforstdirektion. In der Bevölkerung waren die Bezeichnungen Forstdirektion und einfach Forstamt in Verwendung. Nach Auflösung des Gmundner Standorts wurde das Gebäude 2010 an Kommerzialrat Hans Asamer verkauft. 2013 hat die Raiffeisengruppe das Objekt erworben. Heute führt das renovierte Gebäude nebst modernem Anbau den Namen „haus salzkammergut“. Darin befinden sich Räumlichkeiten der Raika-Bank, das Lokal Das Forst, manche Räume in dem nun stark vergrößerten Komplex werden auch vermietet bzw. verpachtet.


Altes Gemälde vom Klosterplatz mit Salzamtshaus im Mittelpunkt o. J.
Quelle: Gemälde im Besitz von Ernst Grabner; Foto: Richard Henter


Das Gebäude der Forstdirektion, o. J.
Foto: Piringer Gmundner Chronik III S. 239


Das Forstamt vor dem Umbau im Jahr 2013
Wikimedia

Detailinformationen
1838-1839 Bau des Salzamtsgebäudes auf dem Klosterplatz
Ab 1838 wurde der Klosterplatz in Traundorf neu gestaltetet. Da die Räumlichkeiten im Kammerhofgebäude nicht mehr ausreichten, wurde als Erstes 1838/39 nach den Plänen des Wiener Hofbaurates Sprenger neben der Kapuzinerkirche ein zweites Salzamtsgebäude errichtet. In diesem befanden sich zusätzliche Räume des Salzoberamtes. Deshalb trug es auch ursprünglich den Namen Salzamtshaus.
Durch die 1848-er Revolution war es zu einer Umgestaltung des Staatswesens gekommen: Dabei fiel der Salzverschleiß zur Gänze dem Finanzministerium zu, die Agenden des Forstwesens wurden vom Salzwesen abgetrennt und teils dem Ministerium für öffentliche Arbeiten, teils dem Finanzministerium angegliedert. Daher konnte 1850 das k. k. Salzoberamt in Gmunden als Behörde und Zentrale der Salzwirtschaft endgültig aufgelöst werden. An deren Stelle trat ab 1850 die „k. k. Salinen- und Forstdirektion für das Kronland Österreich ob der Enns“. Diese war nun nur mehr für technische, kaufmännische und administrative Aufgaben zuständig. Seinen Hauptsitz hatte dieses neue Amt im altehrwürdigen Salzamtsgebäude am Klosterplatz. Es diente zur Entlastung der Räumlichkeiten des Kammerhofes. Darin waren nun nur noch einige wenige Kanzleien der Salinen- und Forstdirektion untergebracht. Der Schwerpunkt dieses Amtes lag nun am Klosterplatz. In diesem waren das k. k. Waldamt, die Salinen- und Forstdirektionskasse, Wohnungen für vier k. k. Bergräte sowie später sogar ein forsttechnisches Museum untergebracht. Mit der Leitung der Salinen- und Forstdirektion wurde am 5. September 1850 der bisherige Salzoberamtmann Karl Plentzner betraut.
Da in jener Zeit in den Salinen statt Holz Koks und Kohle als neue Brennstoffe verwendet wurden, war die Gewinnung von Holz für die Salzproduktion nicht mehr so wichtig wie früher. Daher wurde 1868 die „k. k. Salinen- und Forstdirektion für das Kronland Österreich ob der Enns“ in Gmunden aufgelöst.
An deren Stelle wurden 1869 in den Salinenorten Ebensee, Ischl, Hallstatt und Aussee eigene k. k. Salinenämter geschaffen. Diese wurden direkt dem k. k. Finanzministerium in Wien unterstellt. Damit blieb dem Amt in Gmunden nur mehr der Bereich Forstwesen. Dieses nahm nun eine eigenständige Entwicklung. 1872 wurde die gesamte Verwaltung der Forste neu organisiert, um einheitliche Prinzipien bei Verwaltung, Kontrolle und Leitung des Wirtschaftsbetriebes zu installieren, um ab nun ein möglichst gutes Wirtschaftsergebnis bei Wahrung der Substanz und Beachtung der Nachhaltigkeit zu erzielen. Zur Steigerung der Effektivität wurden - auf dem heutigen Staatsgebiet - fünf Forst- und Domänendirektionen geschaffen. Eine davon befand sich in Gmunden, die anderen waren in Wien, Salzburg, Innsbruck und Görz.
Wirksam wurde diese Neuorganisation im nächsten Jahr. So wurde 1873 die sog. k. k. Forst- und Domänendirektion Gmunden geschaffen. Sie war für das Forst-, Wald- sowie für das Jagdwesen, den Fischfang und die staatliche Güterverwaltung des o. ö. und steirischen Salzkammergutes zuständig. Damit war die endgültige Trennung der beiden Wirtschaftszweige „Salinenverwaltung“ und „Forstverwaltung“ vollzogen. Als Amtssitz nutzte man das traditionsreiche Haus am Klosterplatz. In diesem wurden auf Grund diese Maßnahme Räume frei. Deshalb übersiedelte 1876 das Hauptsteueramt (= Finanzamt) zur Gänze vom Haus am Trauntor in die „Forstdirektion“.
Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie und der Gründung der Republik Österreich galten für die Staats- und Fondsforste vorerst noch die gleichen Grundsätze und Vorschriften wie zuvor. Dann kümmerte man sich um eine verbesserte und zeitgemäße Struktur des Forstwesens. Mit dem Bundesgesetz vom 28. Juli 1925 wurde der Staatswald aus der Bundesverwaltung genommen und ein Wirtschaftskörper mit der Bezeichnung „Österreichische Bundesforste“ gegründet. Dieser Wirtschaftskörper wurde mit der Führung des Betriebes beauftragt. Das Gesetz trat am 1. Jänner 1926 in Kraft. Es enthielt unter anderem die neue Organisation, die keine Forstdirektionen mehr vorsah. Daher wurde ab 1. Jänner 1926 die bisherige k. k. Forst- und Domänendirektion Gmunden zu einem Amtssitz der Österreichischen Bundesforste. Dieser unterstand nun der neu errichteten Generaldirektion der österreichischen Bundesforste. Die Bezirksforstdirektion wurde allerdings in diesem Jahr nach Vöcklabruck verlegt. In Gmunden blieben nur drei kleinere Ämter.
Nach dem „Anschluss“ wurde die Behörde der Bundesforste in die Organisation der Reichsforste eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die Bundesforste neu. Im Forstamtsgebäude in Gmunden befanden sich Amtsstuben und Wohnungen für Angestellte der Forstdirektion und deren Familien. Eine Zeit lang hatte das „Freie Radio Salzkammergut“ sogar seine Sendezentrale im Forstamt.
Trotz mehrerer Umstrukturierungen blieb das Forstamt in Gmunden bis 2010 erhalten. Als dann die Forstdirektionen Traunviertel und Innviertel zusammengelegt wurden und ein Haus in Ebensee, Steinkoglstraße 25, als deren Hauptort auserkoren wurde, verlor das Forstamtsgebäude seinen bisherigen Zweck.
Nach Auflösung des Gmundner Standorts wurde das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben. 2010 wurde es an Kommerzialrat Hans Asamer verkauft. 2013 hat die Raiffeisengruppe das Objekt erworben. Das damals weitestgehend leerstehende denkmalgeschützte „Forstamt“ wurde revitalisiert und renoviert und durch einen modernen Zubau erweitert. So konnte es neuen Nutzungen in Form von Büroräumlichkeiten, einem „Innovationscampus“ und dem Café „Das Forst“ zugeführt werden. Der dreigeschossige Neubau und der Altbau werden durch eine langgestreckte multifunktionale eingeschossige Halle – dem „Salzkammergut Forum“ – verbunden.
Heute führt das nebst modernem Anbau den Namen „haus salzkammergut“. Nicht wenige Räume in dem Gebäude hat die Raika an Interessenten vermietet und verpachtet. Das Haus präsentiert sich als moderne Bankstelle ebenso wie als Innovationszentrum für Unternehmer und Start-ups. Weiters versteht es sich als Ort der Begegnung.
Am 20. und 21 Oktober 2018 fand die feierliche Eröffnung des Komplexes in Form eines Festes mit viel Prominenz aus Wirtschaft und Politik statt.

Die folgenden Fotos stammen aus der Website des "haus salzkammergut" bzw. von der Hinterwirth-Website:


Der Gesamtkomplex des neuen Gebäudes "haus salzkammergut" 


Das neu gestaltete und revitalisierte ehemalige Gebäude der Forstdirektion.
Nun firmiert es unter "haus salzkammergut".


Das im ehemaligen Gebäude der Forstdirektion neu eingerichtete Lokal "Das Forst"


Das Foyer des Bankbereichs im "haus salzkammergut"

Diese Seite wurde von Holger Höllwerth zusammengestellt.