Einnehmer Gut

An der heutigen Anschrift Gmunden, Theresienthalstraße 44, steht dieses markante Gebäude, das eine lange und interessante Geschichte hat.

Die frühere Anschrift war Traunleiten 15. Es ist in der Geschichte als Klostergut 1) und als Einnehmergut bezeichnet gewesen 2). In der chronologischen Betrachtung sind beide Hausnamen laufend gewechselt worden. Das Objekt steht grundbuchsmäßig auf der EZ 115 KG Ort-Gmunden 3).

aus der Urmappe (ca 1830)

 aus Doris - Katastralmappe

Interessant sind im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg Hinweise aus dem Jahr 1626 (Krackowizer III, Seiten 161 – 181). Es  ist zwar nirgends das Kloster- oder Einnehmergut extra genannt. Es ist aber kaum vorstellbar, dass von den geschilderten Ereignissen dieser Hof  nicht in irgendeiner Form betroffen gewesen wäre.

Die Region um das Einnehmergut bzw. des dortigen Traun-Ufers war während der Kämpfe mehrmals Durchzugs- bzw. Aufmarschgebiet. So wird berichtet, dass 

  •  „.. von Lambach kommend …. am 16. Okt….  mehr als 1000 Bauern … auf dem linken Traunufer gegen Gmunden ……“  marschierten (S. 161)
  • am 11. Nov. rund 500 Bauern bei der Haselmühle (heute Theresienthal) die Traun überschritten haben…. und in Traundorf eingerückt sind……(S. 172)
  • ….  Die Kaiserlichen Truppen wurden von den Bauern überrascht und verfolgt ….sie  erreichten die Stadt …. in gänzlicher Auflösung am Umweg über Traunleiten 
    (S. 178)
  • … alleine 43 zur Grafschaft Ort gehörenden Bauernhäuser sind von der „verbündeten Armada“ niedergebrannt worden  (S. 181). Diese hat sich im Siegestaumel „denkbar schlecht“ verhalten und brannte, raubte und plünderte. Das Einnehmergut ist bei Krackowizer nicht unter den „niedergebrandten Bauernhäuser“ genannt.              

Die älteste entdeckte Erwähnung des Objektes, und zwar als Einnehmergütl, wurde im Trauungsbuch von Tobias Födinger (manchmal auch Vöttinger oder Föttinger) am 4.10.1738 gefunden. Im Taufbuch seiner Tochter Maria (Jänner 1740) finden wir die Bezeichnung Closterhof. Im Theresianisches Gütlbuch (Doris) wird 1750 als Eigentümer dieses Klosterhofes, ein Tobias Vöttinger genannt wird. Er ist 1762 verstorben, wo er im Sterbebuch als Besitzer vom Einnehmergut bezeichnet wird. Im seinem Taufbuch-Eintrag werden als Eltern Elias und Rosina Vöttinger genannt, aber ohne Jahresangaben.

Foto: Einnehmergut 1931 aus "Topothek Gmunden"

Bereits 1780 wird im „Zehentbuch der Kirche Altmünster“ (zitiert in Ahammer, Das alte Münster am Traunsee) das Objekt als „Closter- oder Einebnergut“ (vermutlich Schreib- oder Übertragungsfelder) bezeichnet und festgehalten, dass es zur „Herrschaft Ort“ gehört, nachdem das Lehensrecht von der Pfarre Altmünster auf die Herren von Ort übergegangen sind.
Ab 1778 ist ein Reiter Johann Besitzer vom "Gut im Klosterhof" (Doris/Altes Grundbuch). Er hat dort eingeheiratet. Seine Fraus Susanna ist die Tochter von Tobias Vöttinger (auch Födinger geschrieben). Bei einem Eintrag im Taufbuch des Jahres 1748 ist das Anwesen als "Glostergut" benannt.
1787 wird im Josephin. Lagebuch (Doris) ein Hanns Reiter aus P(B)uchen als Eigentümer vom Klosterhof oder Einnehmer-Gütl ausgewiesen.
1870 wird beim Feuer-Versicherungsverein das   Einnehmergut samt dessen Wagenremise genannt.
1879, 1904, 1914 und 1923 wird im Häuserverzeichnis als Besitzer Karl (Carolus) Reit(t)er geführt.
1934 hat eine Marie Floh die Realität erworben und beendet somit die lange Zeit  (156 Jahre) der Reiters als Besitzerfamilie des Anwesens (und zwar nachdem Karl Reiter im Jahr 1933 ledig und kinderlos gestorben ist).
1938 wurde das Einnehmergut von der Familie Heitzendorfer erworben. Ein Angehöriger dieser Familie ist heute Eigentümer und bewohnt es auch.

Wie alt das Objekt tatsächlich ist, konnte nicht eruiert werden. Es muss jedoch deutlich vor den Bauernkriegen entstanden sein.

Das Areal des Einnehmergutes dürfte „früher“ (Wann?/ursprünglich) angeblich 30 Joch, also rund 173.000 m2, groß gewesen sein und reichte wahrscheinlich von der heutigen Feldstraße (im Norden, Nachbargut: Seeholz) bis der heutigen Molkereistraße (Nachbargut: Liesengut) und wurde im Westen vom „Zehrer-Gut“ begrenzt. 

Laut Grundbuch kam es zumindest ab 1913 laufend zu Verkäufen von Liegenschafts-Teilen. Heute sind auf diesem Areal zwei große Wohnsiedlungen, das ASZ, der Energie-AG-Platz sowie wesentlich Teile der Gmundner-Molkerei. Auch ein früheres Waldgrundstück zwischen der heutigen Ohlsdorfer-Straße und dem Theresienthal-Berg gehörte dazu.

Die aus Gips gefertigte Madonna an der Haus-Außenwand soll die „Mutter der guten Hoffnung“ darstellen und eine Nachbildung des Gnadenbildes aus der Ohlsdorfer Kirche sein.

In alten „Salzkammergut-Zeitungen“ sind Geschichten aus der Zeit von 1903 bis 1938 im Zusammenhang mit den Bewohnern des Einnehmergutes nachzulesen:

So berichtet die "Salzlammergut-Zeitung" am 23.8.1903, dass  „der alte Einnehmer“ versehen worden ist (es muss sich um Carolus/Karl Reitter handeln, der als „Auszugbauer vom Einnehmer-Gut“ am 29.8. 1903 verstorben ist.  Am Heimweg von dieser Versegnung  ist dem Geistlichen Herrn der Erzherzog Ludwig Viktor nahe dem Schloss Würtemberg in einer Kutsche begegnet. Dieser stieg aus, kniete nieder und ist von der staubigen Straße erst wieder aufgestanden, als  er vom Priester gesegnet worden ist.                                              

Die "Salzkammergut-Zeitung" vom 23.1.1927 berichtet über einen Bauernknecht Johann Reiter, vulgo „Einnehmer-Hans“, der 2 Burschen wegen Obstdiebstahl längere Zeit im Pferdestall und der Rumpelkammer des Einnehmergutes eingesperrt hatte. Er selber dürfte aber vorher auch Straftaten begangen haben, weil erwähnt wird, dass er bereits eine 18-monatige Kerkerstrafe abzusitzen hatte.
Wie die "Salzkammergut-Zeitung" vom 10.3.1938 berichtet, wurde zur Verbesserung der Wasserversorgung in diesem Ortsteil auf dem Areal des Einnehmergutes (Besitz: Familie Floh) ein 64 m tiefer Brunnen geschlagen. Dieser Brunnen wurde vor vielen Jahren verseucht und als Trinkwasserbrunnen gesperrt und verschlossen. Er war auf dem ehemaligen Mastenlager der OKA.
Noch heute erinnert die „Einnehmer-Straße“ in der unmittelbaren Nachbarschaft des „Einnehmer-Gutes" an die einstige Bedeutung dieses Hofes.
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1) Das Gut war dem damaligen Kloster von (Alt)münster „untertänig“. Es gab neben dem hier behandelten „Klostergut“ in Traunleiten noch ein „Klosterbauern-Gut“ (oder auch „Prandstatt“) ungefähr im Bereich der heutigen Miller-v-Aichholzstraße-Fliegerschule-Bezirkssporthalle.Das Gut hat seinen zweiten Namen vom Berufsstand der „Einnehmer“, also den Steuereintreibern/Steuer-Kassieren, in diesem Fall für die Besitzungen der Pfarre Altmünster in Traunleiten. Von wann bis wann von diesem Gut die Funktion eines Einnehmers ausgeübt worden ist, ist unklar. Da die Bezeichnung erstmals 1738 in den gefundenen Unterlagen aufscheint, wird die Funktion vorher übernommen worden sein. Details wurden nicht gefunden.
2) Der Ortsteil „Traunleiten“ (und auch andere) gehörte zur Pfarre Altmünster (später zur Herrschaft Ort und anschließend zur Gemeinde Altmünster). Die ersten Versuche zur Eingemeindung von Traunkirchen, Altmünster, Pinsdorf und halb Ohlsdorf zur Großgemeinde Gmunden scheiterten an Gmunden 1849 (BezBuch  S. 916). Auch 1921 gab es ein Ansuchen Gmundens an Altmünster, die von der Stadt erworbenen und auf Altmünsterer Gemeindegebiet liegenden Miller-Aichholz-Besitzungen nach Gmunden einzugemeinden – was von Altmünster abgelehnt worden ist (Piringer II, S. 110).
3) Erst 1939 wurden Teile der Katastralgemeinden Ort (und somit auch die Ortschaft Traunleiten) dem Stadtgebiet Gmundens zugeschlagen und die neue KG Ort-Gmunden gebildet. 
 Der Wunsch von Altmünster im Jahr 1947 um Stornierung dieser Umstrukturierung war nicht mehr umsetzbar. 

Als Quellen wurden verwendet:
Krackowizer Band III (Geschichte der Stadt Gmunden), Bezirksbuch, F. Ahammer (Das Alte Münster am Traunsee),  K. Piringer (Gmundner Chronik),  Salzkammergut-Zeitung, Topothek Gmunden, Doris (Hofnamen), Matricula, Grundbuch, Häuserverzeichnis 1923, Feuerversicherungsverein Altmünster 1870
Persönliche Informationen von Frau Annemarie Harringer und Herrn Heitzendorfer 

Dieser Bericht wurde von Dr. Günther Stadlmayr im Dezember 2025 verfasst.