Trauntor

An der Traunbrücke 1


Das Trauntor heute mit dem Keramikwappen und der Sonnenuhr
Foto: Kammerhofmuseum

Das Tor ist ein Rest der alten Stadtbefestigung und sollte einst die Bewohner vor Angriffen aus östlicher Richtung schützen. Es stammt wohl aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde 1870/71 und 1963/64 erweitert. Damals wurde nach Abbruch des nordostseitigen, gegen die Brücke vorspringenden Kammerhoftraktes neben dem alten Trauntor ein zweites, gleich großes Tor errichtet.


Das neue doppelte Trauntor
kurz nach der Neueröffnung im Jahr 1968
Foto: A. Höhlmann

An der Ostseite des Trauntors prangt ein Keramik-Stadtwappen. Diese spezielle Ausformung erfuhr es durch den Keramikkünstler Prof. Kurt Ohnsorg (1927-1970). Die Jahreszahl unter dem Wappen ist historisch nicht gesichert. Die diesbezüglichen Urkunden sind einem Brand zum Opfer gefallen. Gmunden ist aber tatsächlich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhoben worden.

 
Das von Kurt Ohnsorg geschaffene Gmundner Keramik-Wappen am Trauntor
Foto: Peter Schneider und Archiv Hans Wagneder

 
Ganz oben an der Ostseite des Trauntors befindet sich über dem Zwillingstor seit dessen Neugestaltung wieder eine Sonnenuhr. Sie ist eigentlich eine uralte Uhr. Sie wurde nur von Prof. Fröhlich als Fresko erneuert.
Foto: Kammerhofmuseum

Zur Geschichte des Trauntors
Das Trauntor stammt wohl aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Noch im 15. Jahrhundert wurde es von einem Turm überragt. Durch dieses gelangt man zur Traunbrücke und in die ehemalige Vorstadt Traundorf.
 
1870/1871 wurde das Trauntor erweitert, die Fahrbahn tiefer gelegt und Wasser vom „Heiligen Bründl“ innerhalb des Tores in ein Auslaufbecken (= Brunnen)  geleitet.


Blick Richtung Stadtzentrum mit dem Trauntor im Mittelpunkt, um 1850
Ausschnitt von einem dreiteiligen Panorama von Gmunden von Rudolf Lang


Kammerhofgasse mit Bürgerspitalkirche und Trauntor 1865
Ausschnitt einer Zeichnung von Carl Ritter


Blick von der Traunbrücke aufs Trauntor mit Brunnen, um 1865
Zeichnung von Carl Ritter


Das Trauntor und die hölzerne Traunbrücke in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Zeichnung von Julius Anton Wenzel


Bürgerspitalkirche und Trauntor 1898
Zeichnung von Adolf Fischer


Trauntor mit Pferdegespann 1929
Blick von der Kammerhofgasse in Richtung Traunbrücke
rechts im Hintergrund der an das Kammerhofgebäude angebaute Turm, das sog. Modellierstöckl; es wurde bei der Umgestaltung des Kammerhofes abgerissen
Foto: Adler


Blick von der Traunbrücke durchs Trauntor zum Café Kammerhof,
um 1930
Quelle: ÖNB

1939 richtete die Stadt als Fremdenverkehrsattraktion eine Postkutschenlinie vom Rathausplatz zum Gasthof Hois’n ein. Die Eröffnungsfahrt fand am 22. Juli 1939 statt. Danach fuhr die Postkutsche damals täglich fahrplanmäßig die Strecke. Der in Uniform gekleidete Postillion blies sogar das Posthorn.


Eine Postkutsche fährt durch das Trauntor.
Foto: Piringer Gmunden Chronik Bd. IV S. 44


Heimfahrt vom Wochenmarkt o. J.
Geschäftiges Treiben vor dem Trauntor und dem Kammerhof
Foto: Piringer Gmundner Chronik II S. 117


Das alte Trauntor wurde zu einem Nadelöhr für den Verkehr
Foto: Herrmann Gmundner Chronik I S. 149

Schon im Jahr 1939 machte man sich über den zunehmenden Verkehr beim Trauntor Gedanken und überlegte, wie man die Durchfahrt durch das Trauntor flüssiger gestalten könnte. Bereits damals schwebte dem Architekten Ing. Leopold Piringer eine Zwei-Tore-Lösung vor.


Plan aus dem Jahr 1939 von Baumeister Ing. Leopold Piringer
mit Zwei-Tore-Lösung für das Trauntor
und
einer Verbreiterung und Modernisierung der Traunbrücke
Foto: Piringer Gmundner Chronik IV S. 16

Die Neugestaltung des Kammerhofs und des Trauntors
Ab 1962 kam es zum Umbau des Kammerhofes. Die Planung lag in den Händen von Stadtbaudirektor Ing. Leopold Piringer. Die Bauzeit erstreckte sich über einen Zeitraum von fast neun Jahren (1962 bis 1971). Ein besonderes Problem stellte das Trauntor dar, denn es war bei permanent zunehmendem Verkehr ein Hindernis erster Ordnung geworden. Es wurde deshalb anfangs sogar die gänzliche Beseitigung dieses historischen Objektes diskutiert. Das Denkmalamt verhinderte aber dieses Ansinnen. Man entschied sich schließlich für die die Schaffung einer zweiten Durchfahrt durch den Torflügeltrakt. Deren Realisierung war wohl die wichtigste Maßnahme beim Umbau und der Restaurierung des Kammerhofkomplexes war. Dafür war es notwendig, den nordostseitigen gegen die Brücke vorspringenden Kammerhoftrakt abzureißen, um neben dem alten Trauntor ein zweites, gleich großes Tor zu errichten. Dabei wurde eine zweite Durchfahrt geschaffen. Dadurch konnte die Gmundner Verkehrssituation deutlich verbessert werden.


Plan für den Umbau des Kammerhofs mit Zwei-Tore-Lösung
von Stadtbaudirektor Ing. Leopold Piringer
Foto: Denkmalpflege 27, in Oberösterreich Kulturzeitschrift 28. Jg. 1/1978

Ein großes Hindernis stellte jenes Geschäft dar, das genau dort lag, an dessen Stelle das künftige zweite Tor ausgebrochen werden musste: das große Teppich- und Modengeschäft Bräu an der Westseite der engen Trauntordurchfahrt. Nach Streitigkeiten vor Gericht kam es zu einem Vergleich: Der Besitzer erhielt ein Ersatzgeschäft am Graben.


Der Trauntorbogen mit den Auslagen des Geschäftes Bräu und
dem Brunnen am sog. Modellierstöckl kurz vor dem Umbau des Trauntores
Foto: Archiv Hans Wagneder

Das sog. Modellierstöckl lag bis zur Erweiterung des Trauntors neben dem Objekt Kammerhofgasse Nr. 6. Im schlanken Turm neben dem Trauntor war früher eine Salinen-Modellsammlung untergebracht. Nach dieser erhielt der Turm vermutlich seinen Namen. Er musste dem Umbau weichen. Feuersteinführer 1862 S. 4


Der 2. Torbogen wird geschaffen.
Foto: Archiv Hans Wagneder

Vor dem Neubau der Zwei-Tor-Lösung beim Trauntor sah man sich gezwungen, durch das Trauntor eine „Gegenverkehrslösung“ mittels Ampel-Regelung zu installieren. Die Ampeln wurden händisch von der Stadtpolizei geschaltet. Für diesen Zweck wurde zwischen der Spitalskirche und dem Trauntor eine kleine Hütte an der Hausmauer der Spitalskirche errichtet – auf dem Wageneder-Foto vom Trauntor mit Geschäft Bräu (siehe oben) ist am linken Rand ein kleines Eck dieses Häuschen zu sehen.
Am 28. Juli 1966 erfolgte die Eröffnung des doppeltorigen Trauntorkomplexes. Ab nun floss der Verkehr auf getrennten Fahrbahnen durch die beiden Tore. Das bisher größte Hindernis der Stadtdurchfahrt war beseitigt. Die getroffene Lösung stellte einen Kompromiss zwischen den Interessen des Verkehrs und der denkmalpflegerisch gebotenen Achtung vor den Werken der Väter dar.

Dieser Beitrag wurde von Holger Höllwerth verfasst.