Frachtenmagazin und Stationsgebäude der Pferdeeisenbahn

Das Stationsgebäude und das Frachtenmagazin sind - historisch betrachtet - zwei ganz wichtige Objekte der berühmten Pferdeeisenbahnlinie Linz - Gmunden.
Das Frachtenmagazin fiel leider 2018 der Spitzhacke zum Opfer. An der Stelle entstehen Wohnungen. Das Frachtenmagazin gehörte zu den wenigen Zeugnissen, die Gmunden von der Pferdeeisenbahn noch besaß. Der zweigiebelige Baukörper stand in der Annastraße gegenüber der VS Gmunden – Traundorf, die zurecht den Namen „Schule an der Pferdeeisenbahn“ trägt.


Das Frachtenmagazin kurz vor dem Abriss

 
Ein alter Stich des Stationsgebäudes bzw.der „Aufsitzstation“ und der Plan des Gebäudes in Gmunden Traundorf
Quelle: OÖ Landesarchiv, Bergauer- Sammlung


Ein Infoblatt der Pferdeeisenbahn Linz Gmunden mit Fahrplan und Fahrtkosten


Stationsgebäude und Frachtmagazin sind auf diesem Foto noch in Betrieb.
Fotoquelle: Kammerhofmuseum, Gmunden

Das Frachtenmagazin bzw. die Remise gehörte zum Bahnhofsgebäude oder Stationsgebäude, das 1835 errichtet wurde. Die Pferdeeisenbahn (1836 bis 1871) prägte Gmunden und verhalf der Stadt für über 35 Jahre zum Erhalt des Wohlstandes.  Im Stationsgebäude, Annastraße 1, konnten die Fahrgäste Fahrkarten kaufen und auf die Abfahrt warten. Das Salz aber wurde schon vom Rathausplatz, dann über die Traunbrücke und über die Georgstraße auf Wägen, die auf Holzschienen fuhren, die mit Eisenbändern beschlagen waren, transportiert.

Das Stationsgebäude ist heute noch erhalten, es steht unter Denkmalschutz, ist aber um ein Stockwerk (1871) aufgestockt worden. Das erste Haus an dieser Stelle gehörte seit mehreren Generationen der Familie Wagner, es wurde auch das „Schulmeisterhaus“ genannt und für den Bahnhofbau im Jahre 1835 abgerissen.


Das Stationsgebäude heute, Annastraße 1

In südöstlicher Richtung davon wurde auf dem ebenen, 8500 m² großen Bahnhofsgelände zuerst ein hölzernes Frachtenmagazin, das auch als „Remise“ verwendet wurde, errichtet. Später wurde es mit einem Mauerwerk umgeben. Die äußere Form blieb aber gleich. Die Konstruktion des Dachstuhles war imposant, wie die Fotos unten zeigen. 
An den beiden kürzeren Breitseiten des Gebäudes ermöglichten jeweils drei große Holztore eine Durchfahrt durch das Magazin auf drei Geleisen (Schienenpaaren), die jeweils 1105 mm Spurweite hatten. So konnte die Be- und Entladung im Frachtenmagazin „unter Dach“ für die Pferdeeisenbahn durchgeführt werden. Es wurden Güter zum Transport nach und von Linz bzw. Budweis gelagert wie Wein, Korn, später auch Holz, Steine, Kohle, Keramik usw. Waren aus dem Salzkammergut wurden auch neben dem Salz als Haupttransportgut und neben dem Personenverkehr hier gelagert und abtransportiert. Für Waren aus Linz, Budweis, Wels usw. war es auch ein wichtiger Umschlag- und Lagerplatz. Die Größe des Gebäudes weist auf umfangreiche Lastentransporte und auf die Bedeutung des Frachtenmagazines für Gmunden hin. Schon im ersten Jahr wurden 128.857 Zentner Frachtgüter befördert. Im Jahre 1841 beförderte die Pferdeeisenbahn bereits 605.492 Zentner Salz, 164.106 Zentner andere Frachten und 3722 Klafter Brennholz. 

Das Frachtmagazin wurde innen mehrmals umgebaut und in den letzten Jahren auch als Garage, Wohnung und Lagerstätte genutzt. Es befand sich schon in einem sehr schlechten, desolaten Zustand vor dem Abriss. Das Frachtenmagazin bzw. die Remise muss aber wegen seiner früheren Bedeutung zu den „Schätzen Gmundens“ gezählt werden und damit hier auf dieser Homepage dokumentiert werden.

 
Der riesige Dachboden des Frachtenmagazines, hier wurde ein altes „Pferdekummet!“ vorgefunden und für das Museum von Herrn Josef Aigner „gerettet“.

 
Durch solche Gänge verliefen früher Schienen                


Die umgebaute Südostseite

 
Ein Lagerschuppen als Zubau 

 
Die drei Einfahrtstore auf der Nordwestseite


Eine Waage, vielleicht noch aus dieser Zeit…..

Als Ergänzung noch ein paar Fotos der Pferdeeisenbahn:

 
Ein mit Salzfässern beladener Wagen


Rathausplatz Gmunden mit Salzzillen und Pferdeeisenbahn

 
Personenwagen „Hannibal“


Großküfel        


Der Bahnhof Engelhof ist der älteste noch erhaltene Bahnhof Europas.
Dort war die steilste Strecke der Pferdeeisenbahnlinie Gmunden - Linz zu Ende.
   


Ein
Schwellenstein           


Schienennägel der Pferdeeisenbahn Nachbau          

Diesen verlorenen „Schatz Gmundens“ beschrieb und verfasste August Georg Mayer, Obmann des Gmundner Musealvereins.

Verwendete Literatur:
Dr. Ferdinand Krakowizer, Geschichte der Stadt Gmunden, Band II
Dr. Ferdinand Krakowizer, Häuser-Chronik der Stadt Gmunden
Philippa Elisabeth Löberbauer: Vorwissenschaftliche Arbeit: Die Pferdeeisenbahn zwischen Gmunden und Budweis. Ihre Geschichte sowie die Spuren im 21. Jahrhundert
Manfred Reingruber: Pferdeeisenbahn in Gmunden

Fotos:
Josef Aigner, Stadtgemeinde Gmunden und August Mayer, Dir. a. D.  Kons.. Ingrid Spitzbart (Lithografie), Internet