Landschloss Ort

    
Das Landschloss Ort heute                                Die Schlossanlage im 17. Jahrhundert

Auf den Flächen der Halbinsel Toskana standen früher mehrere Gebäude, die zum Seeschloss Ort gehörten. Es waren dort ein Meierhof, Stallungen und andere Nebengebäude. Im Jahre 1620 wurde das „Land ob der Enns“ an Bayern verpfändet, und Herzog Maximilian von Bayern setzte Adam Graf von Herberstorff als Statthalter von Oberösterreich ein. In diesem Jahr kam das Seeschloss mit den erwähnten Gebäuden auf der Halbinsel Toskana in den Besitz von Graf Herberstorff. Er war wegen seiner Steuerpolitik vor allem bei den Bauern sehr unbeliebt. Sein Vorgehen am 15. Mai 1625 am Haushamerfeld bei Frankenburg brachte das Fass zum Überlaufen. Herberstorff ließ damals 36 Bauern - jeweils zwei - um ihr Leben würfeln und die Verlierer hängen. Dieses „Frankenburger Würfelspiel“ war sicher der Auslöser dafür, dass die Bauern 1626 in den oberösterreichischen Bauernkriegen gegen Herberstorff kämpften. Ca. 5000 Bauern hatten sich am Hochkogl bei Gmunden verschanzt und es kam nach anfänglichen Gewinnen der Bauern zur Zerstörung des Meierhofes und der Stallungen auf der Halbinsel Toskana. Die Bauern plünderten auch das Seeschloss und zündeten es an. Ein Starkregen verhinderte das völlige Niederbrennen. In der folgenden Schlacht bei Pinsdorf wurden die Bauern aber besiegt.
Herberstorff begann 1626 mit dem Bau des Landschlosses. Dabei mussten die besiegten Bauern Zehntarbeit leisten. 1629 wurde das Schloss fertig gestellt.
Nach dem Tod Herberstorffs kam der Besitz an seine Frau Maria Salome und diese verkaufte das Schloss 1634 an ihren Schwiegersohn Johann Warmund, späterer Reichsgraf von Preysing.
Nach 1690 gehörten die Schlösser den Landesherren aus dem Hause Habsburg. Im Jahre 1867 kaufte Großherzog Leopold II. von Toskana das gesamte Anwesen und übertrug es 1880 an seinen Sohn Erzherzog Johann Salvator von Österreich. Dieser baute das Innere des Landschlosses nach seinen Plänen um. Möbel kamen aus dem Schloss Weinzierl Sie hatten einst Kaiserin Maria Theresia gehört. Im Jahre 1879 wurden aus dem Schloss Scharnstein, das damals dem Stift Kremsmünster gehörte, 34 schmiedeeiserne Fenstergitter, drei bemalte Holzdecken mit eingelegten Ölgemälden auf Leinwand, drei Portale mit Türflügeln, drei holzgeschnitzte Türen, ein Kamin, ein kostbarer Kachelofen und sechs Ölgemälde ins Landschloss geliefert (Im Oktober 1913 wurden leider die Kunstsammlung und das meiste Mobilar in Berlin versteigert). Der Maler Strahlhelm gestaltete mehrere Räume mit Szenen aus den Bauernkriegen aus. Erzherzog Johann Salvator verzichtete auf seine Adelstitel, brach mit dem Kaiserhaus und heiratete die Schauspielerin Milly Stubel. Bei einer Schifffahrt im Juli 1890 nach Valparaiso mit seiner Ehefrau Milly Stubel, sank das Schiff- wahrscheinlich in der Magellanstraße - und der Erzherzog war mit der gesamten Mannschaft verschollen. 1911 wurde er für tot erklärt, und der österreichische Kaiser Franz Josef bekam beide Schlösser. Am 1. April 1914 erwarb die „Hubertusstiftung" das Landschloss inklusive Stöcklgebäude, Garten und Wiesengrundstücke. Während des Ersten Weltkrieges war im Landschloss ein Lazarett für verwundete Soldaten untergebracht.
Im Jahre 1918 wechselte alles in den Besitz der Bundesforste. Von 1919 bis 1969 beherbergte das Landschloss die staatliche Forstschule („Bundesförsterschule“), der im Jahre 1943 parallel dazu die „Forstliche Ausbildungsstätte“ des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (FAST) folgte. Von 1945 bis 1946 musste aber der Unterricht eingestellt werden, da das Gebäude von der Besatzungsmacht beansprucht wurde. Im Landschloss wurden viele Fortbildungskurse für Teilnehmer aus ganz Österreich, aber auch mit internationaler Beteiligung, abgehalten. In manchen Jahren nahmen ca. 13.000 Kursteilnehmer an Veranstaltungen teil. 1984 wurde das Landschloss mit einem zeitgemäßen Neubau erweitert, in dem Unterrichtsräume, ein Vortragssaal, Lehrwerkstätten, ein Gymnastikraum und überdachte Praktikumsflächen geschaffen wurden. Im Jahre 1919 übersiedelte die FAST nach Traunkirchen.

  
Das Landschloss Ort, Gesamtansicht                           Das Eingangsportal

    
Die Wappenfreskos im Innenhof         Der Festsaal mit Holzdecke und Kamin

Das Schloss ist quadratisch, und die vier Gebäudeteile umschließen den Innenhof. An der südlichen Innenwand sind viele Wappenfresken der früheren Besitzer angebracht und in der Mitte befindet sich ein wunderschöner, schmiedeeiserner Rokokobrunnen aus dem Jahr 1777. Die Gebäude sind mit Holzschindeln gedeckt, und an den Ecken befinden sich vier Türme mit Zwiebelhelmen. Im Festsaal ist eine herrliche von 1604 bis 1612 errichtete Holzkassettendecke An dessen Wänden befinden sich Großgemälde von der 1. Internationalen Jagdausstellung in Wien im Jahre 1910. Diese zeigen Elemente italienischer renaisssancezeitlicher Groteskmalereien sowie allegorische Darstellungen der antiken Mythologie und Darstellungen von verschiedenen Jagdarten (Hochgebirgsjagd, Wasserwildjagd, Niederwildjagd, Rehwildjagd und Raubwildjagd). Die Mittelkassette stellt Pallas Athene dar, wie sie Pictura in den Kreis der sieben freien Künste einführt. Man sieht auch Attribute des Künstlertums wie Malerutensilien, Bildhauerwerkzeug und Musikinstrumente. Die Stuckrahmen der Türen und Kamine stammen aus der Erbauungszeit des Schlosses. Mehrere ehemalige Büroräume sind mit schönen Holzvertäfelungen und kleinen Bildern ausgestattet.

Die folgenden drei Fotos stammen von Josef Thallinger, Gmunden. Er hat sie anlässlich des Besuchs des Gmundner Musealvereines im Landschloss Ort gemacht.


Die Bibliothek, Seminarraum      


Der Festsaal mit Kassettendecke


Detailaufnahme der Kassettendecke


Innenhof, Wappenwand und Rokokobrunnen im Winter 2018

Dieser „Schatz Gmundens“ wurde von August Mayer verfasst.
Verwendete Literatur
:
Informationen zur „Forstlichen Ausbildungsstätte Ort“
Wikipedia
Krakowizer, Ferdinand: „Geschichte der Stadt Gmunden“, Bd. I-III und Häuserchronik
Das Gmunden–Taschenbuch. 2. verbesserte Auflage 2008
Fotos: Internet, Josef Thallinger und August Mayer