Kösslmühle

 
Ein Gmundner Schatz, der leider bald der Spitzhacke zum Opfer fallen wird, ist die Kösslmühle. Deshalb soll dieser „Schatz“ hier dokumentiert werden.

Dieses Gebäude wurde schon im Jahre 1365 erbaut. Das benachbarte Bürgerspital war der Auftraggeber für die Errichtung (…so musste man zum Beispiel an das Bürgerspital  „jährlich 16 Metzen Strichmehl oder 11 alte Gmundner Metzen Korn“ liefern). Man nannte das Gebäude "Mühle an der Achleiten“, später wurde es „Bürgerspitalmühle“ und auch „Spitalmühle“ genannt.

  
Die Kösslmühle um 1900 mit den Wasserbauten wie Mühlenkanal, Wehranlage und Stegen für Fußgänger!


Das heute noch am Gebäude befindliche Wappen
mit Informationen, erstellt von den Freunden der Stadt Gmunden

Die Besitzverhältnisse wechselten sehr oft im Laufe der Jahrhunderte (die Auflistung ist bewusst nicht vollständig!):
Am 12. Juli 1354 „vergabte sie Herwort der Mülwanger“ an das Bürgerspital.
Ab 1365 war das Frauenkloster in Traunkirchen der Besitzer,
1548 besaß Georg Khirchmüllner die Mühle,
1553 zerstörte ein Brand das Mühlenhaus, es wurde wieder aufgebaut,
1558 kaufte Stefan Fehringer das Haus.
Ab 1658 besaßen die Jesuiten im Kloster Traunkirchen die Mühle,
1566 war es im Besitz von  Hans Vogl, auch die Stadt Gmunden war später (1748) Besitzer der Mühle.
Danach gehörte sie dem Pfleger Ferdinand Pühringer der Herrschaft Württing.

Ihren heutigen Namen erhielt sie im 17. Jahrhundert, als die Familie Khößl sie von 1594 bis 1658 besaß und betrieb. Dann wechselte der Besitz zur Familie Kemmetmüller (1766 – 1893), danach gehörte sie wieder der Stadt Gmunden (1894) und 1895 kaufte Josef Greimelmayr die Mühle.
Es folgten die Besitzer Franz Narbeshuber (1897) und Johann Schamberger (1914).

Im Jahre 1935 erwarb die damalige OKA (heutige Energie AG) das Gebäude, in dem auch Strom erzeugt wurde, bei einer Versteigerung. Der Besitzer war Fritz Wenger. Das Haus war in den vielen Jahren oft vernachlässigt und öfter umgebaut worden, wobei man nur auf die Funktionalität achtete. Natürlich war auch die Zeit, die wirtschaftlichen Krisen und der Krieg daran schuld.

Der Gmundner Architekt König begann im Auftrag der OKA im Jahre 1954 mit einer behutsamen Generalsanierung. Er gestaltete dabei die Südseite völlig neu, das Mauerwerk wurde neu gestaltet, eine Wetterfahne aus handgetriebenem Zinkblech angebracht und im renovierten Torbogen wurde eine Holztüre mit handgeschmiedeten Schutzgittern eingebaut. Außerdem wurden zwei Laternen  links und rechts der Türe befestigt. Beim Entfernen des verwitterten Putzes fand man Fragmente eines Sonnenuhrfreskos aus dem 17. Jahrhundert. Der schlechte Zustand ließ keine Restaurierung zu. Die wenigen Reste wurden auf Karton kopiert und diese Zeichnung wurde durch Einfügen zweier Wappen ergänzt. Es waren dies das Wappen des Mühlwangers und das alte Wappen der Stadt Gmunden. Dies wurde dann von Architekt König in einem mehrschichtigen, farbigen Sgraffito übertragen. Der Architekt grenzte die Sonnenuhr mit einer Kartusche der damaligen Zeit zum Rieselputz hin ab.

 
Die hübsche Südfassade der Kösslmühle                               
Bild: Homepage des Gmundner Musealvereins


Die
Sonnenuhr auf der Südfassade
Foto: Dr. Fritz Reinitzhuber

Im Jahre 1957 kaufte das Ehepaar Josef und Josefine Pichler die Mühle von der OKA  und richtete nach und nach einen Betrieb für Kosmetik, Fußpflege und Massage im Haus Kösslmühgasse 6 ein, das war in der unmittelbaren Nachbarschaft. Später kamen eine Sauna und die Möglichkeit für Kneippkuren dazu. Die Raumknappheit wurde durch die Einbeziehung der Kösslmühle (Kösslmühlgasse 7) behoben. Damit stand der Entwicklung einer neuen Bade- und Kuranstalt in Gmunden nichts mehr im Wege. Die Familie Jany war damals der Besitzer des Hauses. Der barocke Charakter der Mühle konnte trotz Verlängerung des Baukörpers erhalten werden, auch ein kleines Hallenbad wurde eingebaut. An der Traunseite gibt es noch ein kleines gotisches Fenster. Die Ensemblewirkung mit der gegenüber liegenden Kurzmühle und mit dem „Runden Eckturm“ des Gerichtsgebäudes war erhalten geblieben. Und Gmunden  war damit der Bezeichnung als „Kurstadt“ wieder etwas näher gekommen. Vor einigen Jahren wurde die Kösslmühle verkauft und nach einem weiteren Besitzerwechsel kaufte die „Projektentwicklung und Bauträger Maximilianhof Immobilien“ das Objekt. Nach einem Sturmschaden, bei dem ein Baum auf das Dach stürzte, wurde die Südfassade angeblich beschädigt. Ein Bagger musste die Schäden „beheben“. Mauerwerk stürzte ein. Es gab dazu keine Abbruchgenehmigung und die Arbeiten mussten sofort eingestellt werden. Das schreckliche Loch in der schönen Südfassade wurde später povisorisch geschlossen.


Ein Bagger zerstörte einen Teil der Südfront!      


Die zerstörte Südfront der Kösslmühle


Die „provisorische Wiederherstellung“.

Diese Zeilen über die lange Geschichte des Hauses sollen beweisen, dass die „Kösslmühle“ ein historisch wertvolles Gebäude in Gmunden ist und wichtige Funktionen für die Versorgung der Stadt hatte. Es ist sehr verwunderlich, dass die Mühle nicht unter Denkmalschutz steht! Schade, dass der künftige Bauträger die schöne Südseite, die zum Stadtbild Gmundens traunabwärts gehört, nicht erhalten wird. Auch die Sonnenuhr wird verloren gehen!

Diesen „Schatz Gmundens“ beschrieb August Georg Mayer, Obmann des Gmundner Musealvereins.

Verwendete Literatur:
Dr. Ferdinand Krakowizer: Chronik der Stadt Gmunden
Dr. Ferdinand Krakowizer: Häuser – Chronik der Stadt Gmunden
OSR Erwin Herrmann: Gmundner Chronik, Band II
Homepage des Gmundner Musealvereins und des Kösslmühlkomitees