Katholische Stadtpfarrkirche

Kirchenplatz 6

 
Die Nordseite der Kirche mit dem Sternsinger-Brunnen


Die lebensgroße Gruppe „Anbetung der hl. drei Könige“,
ein Werk von Thomas Schwanthaler
Beide Fotos: Wikipedia

Im Zentrum der Altstadt steht auf dem Kirchenplatz die katholische Stadtpfarrkirche. Das dreischiffige Gotteshaus stammt aus der Frühgotik. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der schlichte vierkantige Turm erhöht und mit einem bauchigen Helm gekrönt. Ursprünglich war die Kirche Maria Himmelfahrt (Fest am 18. August) geweiht, nach dem barocken Umbau dem Fest der hl. Drei Könige (Fest am 6. Jänner). Der Hochaltar der Kirche ist zweifellos Schwanthalers zweites Hauptwerk neben dem barocken Doppelaltar von Sankt Wolfgang. Im Zentrum steht die Anbetung Christi durch die Heiligen Drei Könige. Am Rand des Altars sind ausdrucksvolle Figuren der Elisabeth und des Zacharias aufgestellt, die Michael Zürn d. J. geschaffen hat. Er schnitzte auch den Annenaltar der Pfarrkirche von Gmunden.

Geschichte der Kirche
Erstmals urkundlich genannt wird die Kirche im Jahr 1270. Die dreischiffige Basilika wurde in gotischem Stil errichtet. Aus der Zeit sind Reste gotischer Fresken im Inneren erhalten.
In der Barockzeit wurde die Kirche umgestaltet. In dieser Zeit erhielt der Turm das Zwiebeldach. Dadurch erreichte er eine Höhe von 51,45 Meter. Nach dem Umbau wurde die Kirche 1723 durch den Passauer Bischof Joseph Dominikus von Lamberg neu geweiht.
1831 wurde der Chor baulich verändert; die ursprüngliche Form wurde 1964 rekonstruiert. Den Altarraum malte
Franz Xaver Fuchs 1931 mit einer Darstellung der Heiligen Drei Könige aus. Während des Zweiten wurden die ursprünglichen Glocken nach einer Metallsammlung eingeschmolzen. Sie wurden 1949 durch fünf Glocken aus der Glockengießerei St. Florian bei Linz ersetzt.
Bei Restaurierung des Kirchengebäudes 1946/1947 wurden außen auf der Südseite zwei gotische Fresken entdeckt, die auf die Zeit um 1525 datiert wurden. Sie zeigen rechts unter einem Spitzbogen Christophorus, unter dem linken Bogen das Jüngste Gericht.
1968 erhielt die Kirche eine Fußbodenheizung und einen neuen Steinfußboden. Die Kirchenfenster wurden erneuert und der Kirchenraum wurde ausgemalt.
1976 erhielt die Kirche ein neues Dach.
1981 und 2001 wurde die Fassade der Kirche restauriert.
Vom ehemaligen Friedhof, der die Kirche umgab, sind noch einige Grabsteine auf der Südseite erhalten.
Im Jahre 2017 wurden im Turm zwei weitere Glocken angebracht. Am 17. April, dem Ostersonntag, erklang um 12 Uhr das nun 7-stimmige Vollgeläute zum ersten Mal.


Historische Ansicht der Stadtpfarrkirche von Norden
Zeichnung von Carl Ritter 1867
Quelle: Kammerhofmuseum Gmunden

Ausstattung


Blick in Richtung Chorraum
Foto: Wikipedia

Das bedeutendste Kunstwerk der Gmundner Stadtpfarrkirche ist der Dreikönigsaltar, ein Werk des bayerisch-österreichischen Barockbildhauers Thomas Schwanthaler. Sein Sohn Bonaventura Schwanthaler hat ihn aufgestellt. Die Dreikönigsgruppe ist das Vorbild für viele im Salzkammergut geschaffene Weihnachtskrippen.
Thomas Schwanthaler schuf den barocken Hochaltar 1678. Dieser zeigt im Zentrum die Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige in etwa lebensgroßen Plastiken. Darüber schwebt im Auszug der Stern von Bethlehem. Die Seitenfiguren des Hochaltars stellen Zacharias und Elisabeth dar, die Eltern Johannes des Täufers. Sie stammen von Michael Zürn dem Jüngeren (1626–1691) aus Braunau am Inn.

Daneben verfügt die Kirche über eine Reihe weiterer Altäre. Nicht bekannt sind die Künstler des Katharinenaltars, des Nikolausaltars und des Arme-Seelen-Altars mit einem Steinrelief von 1683. Der Anna-Altar im linken Seitenschiff ist das Werk Michael Zürn d. J. Eine Kreuzigungsgruppe ist eine spätgotische Arbeit. Bonaventura Schwanthaler schuf den SchmerzensmannChristus im Kerker“. Aus dem 20. Jahrhundert stammen die Fatima-Madonna aus der Werkstatt von Klothilde Rauch (1903–1997) in Altmünster und die Schutzmantelmadonna aus Keramik, die Emilie Schleiß-Simandl 1947 anfertigte.


Die 200 kg schwere Schutzmantelmadonna aus Keramik wurde 1947 von Frau Emilie Schleiß-Simandl als Dank dafür angefertigt, dass Gmunden vor Kriegsschäden bewahrt blieb.
Foto: Wikimedia

Die Rettung der Zürn-Figuren vor der Zerstörung
Um wertvolle Kunstschätze vor Beschädigung durch das Kriegsgeschehen zu retten, wurden diese von den Nazis im Winter 1943/44 auch in Stollen des Ischler Salzbergwerkes geschafft. Darunter befanden sich die hl. Elisabeth und der hl. Zacharias. Im April 1945 sollten die in Sicherheit gebrachten Kunstschätze durch Sprengung vernichtet werden. Zu diesem Zweck waren schon Anfang April acht als Marmor deklarierte Kisten mit je einer 700-kg-Bombe in die Stollen gebracht worden. Von mutigen Leuten wurde gegen die Zerstörung Widerstand geleistet. Durch langes Verhandeln gewann Salinen-Bergrat Ing. Paul Lepez unter Lebensgefahr so viel Zeit, dass die Bereitstellung der Grubenlokomotive, der Fördermaschine und der Bergarbeiter nicht mehr rechtzeitig erfolgte. Bergrat Ing. Lepez sowie einigen Salinenarbeitern verdankt es Österreich, dass die in den Stollen gelagerten wertvollen Kunstschätze – darunter auch die Zürn-Figuren - zur Gänze erhalten blieben.

  
Die Statuen der hl. Elisabeth und des hl. Zacharias
Quelle: Kirchenführer; Fotos: Martin Hüttner

Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Diesen Beitrag hat Holger Höllwerth gestaltet.