Karmelitinnenkloster

Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen in Gmunden

Manche Menschen kennen das Karmelitinnenkloster nur von der Straßenansicht, viele Gmundnerinnen und Gmundner besuchen die Heilige Messe in der kleinen Kirche, andere erwerben Gemüse, Blumen, verzierte Kerzen oder den heilbringenden „Echten Klosterfrau Melissengeist“ an der Klosterpforte. Das Karmelitinnenkloster ist auf jeden Fall ein „Schatz Gmundens“, der beschrieben werden soll, weil wenig darüber bekannt ist.


Die Ansicht vom Klosterplatz aus.                               

                   
Die Kupfertafel bei der Pforte und die Hausnummerntafel aus Keramik

Der Orden hat den Namen vom Berg Karmel im Heiligen Land und wurde dort nach den Kreuzzügen von Rittern, die als Einsiedler leben wollten, in den Jahren 1206 bis 1214 gegründet. 1226 bestätigte Papst Honorius ihre Ordensregeln. Nach dem Einfall der Sarazenen verließen die Karmeliter Palästina und ließen sich in Europa nieder. Die neuerliche päpstliche Anerkennung des Ordens erlangten die Karmeliter unter Papst Innozenz IV. im Jahre 1247, der den Orden unter die Bettelorden einreihte. Der Ordensgeneral Johannes Soreth gründete im Jahre 1452 den weiblichen Zweig der Karmeliter.

Die hl. Teresa von Avila gründete 1562 in Avila das erste Kloster von Schwestern, die aus der Kraft der Karmelspiritualität im Rahmen einer klausurierten Lebensform den Weg der Nachfolge Jesu gehen wollen und reformierte so den Karmelitinnenorden.

Die Kamelitinnen möchten als Klausurschwestern durch ihr Gebet für uns alle, durch die Hingabe in der Stille, durch die Einfachheit ihres Lebens, durch die Gottbezogenheit mitten in dieser Welt und durch die Freude aus der Verbindung mit Gott leben und den heutigen Menschen nahe bringen.

Wie kam es zur Gründung des Gmundner Klosters? Die Konvertitin Aloisia Petrowitsch aus Livland, im Baltikum, damals Sowjetunion, war Dienstmagd bei den Geschwistern Traweger, die sie als Erbin ihres Vermögens einsetzen wollten. Doch Frau Petrowitsch machte den Geschwistern Traweger den Vorschlag, den Besitz und ihr Vermögen zur Gründung eines Frauenklosters zu verwenden. Die Geschwister Johann, Andreas und Magdalena Traweger, die durch den Leinwandhandel vermögende und angesehene Geschäftsleute in Gmunden waren, stimmten nach längerem Widerstreben und Schicksalsschlägen dem Vorschlag  ihrer Magd zu und stellten das Herberstorffsche Freihaus in Traundorf, das schon 1627 erstmals urkundlich erwähnt worden war, samt Garten, Wiese, einem kleinen Waldstück und einem Vermögen von 8550 Gulden für die Gründung des Karmelitinnenklosters zur Verfügung. Der Linzer Bischof Gregorius Thomas Ziegler ersuchte den Prior der Karmeliten von Linz, Ildefons von der hl. Theresia, mit den Karmelitinnen in Prag Kontakt wegen der Gründung aufzunehmen. Kaiser Franz i. gab am 12. Februar 1828, an seinem 60. Geburtstag, die Bewilligung zur Neustiftung und so begann die Neugründung am 5. Juli 1828, nachdem fünf Ordensschwestern aus Prag nach Gmunden gekommen waren. Als Priorin wurde Mutter Leopoldine Josefa bestimmt.  Der Wiener Arzt Dr. Seutin aus den Niederlanden, dessen Tochter bereits in Prag als Kandidatin für Gmunden ausersehen war, wird von den Karmelitinnen als zweiter Stifter genannt, denn er kam für die Kosten des notwendigen Umbaues und Neubaues von Kirche und Kloster auf. Der Bau dauerte viele Jahre und wurde nach den Plänen des Wiener Baumeisters Josef Kornhäußl ausgeführt, wobei in der Mitte der Zellen das Oratorium – so wie es die Karmelordnung vorsieht – situiert wurde.                                                                                                                                                 Aloisia Petrowitsch, die Dienstmagd der Geschwister Traweger, empfing bald nach der Gründung am 15. August 1828 das Ordenskleid und erhielt den Namen Sr. Maria Aloisia vom heiligsten Herzen Jesu. Doch leider musste sie nach kurzer Zeit das Kloster wegen einer Krankheit verlassen und starb 1835 in Rom. Auch die Stifterin Magdalena Traweger erhielt am 15. August 1828 ihr Ordenskleid und nannte sich Sr. Maria Magdalena Josefa von Jesus, sie verstarb 1851 im Gmundner Kloster. Der Stifter Andreas Traweger verstarb 1836 und sein Bruder Stifter Johann im Jahre 1838 in Gmunden.

Am 5. August 1835 erfolgte die feierliche Einweihung der Kirche und 1857 wurde das benachbarte Haus, das ehemalige Baderhaus und Geburtshaus unseres Gmundner Chronikverfassers Dr. Krakowizer, Klosterplatz 8, erworben, dem Kloster angefügt und umgebaut. Im Jahre 1898 erfolgte die Aufstockung der Gebäudesubstanz.


Das Herberstorffsche Haus, Klosterplatz 8 


Die Gedenktafel für Dr. Ferdinand Krakowizer

Im Jahre 1844 waren in der Ordensgemeinschaft so viele Schwestern, dass von Gmunden aus eine Neustiftung in Würzburg, und zwar die des Klosters Himmelpforten mit drei Chorschwestern und einer Laienschwesterkandidatin ausgehen konnte. Am 22. Juli 1847 wurde dieses Kloster in Würzburg kanonisch errichtet.

In den Jahren 1860 und 1873 erfolgten auch Erneuerungen des Kircheninneren, wobei der Gmundner Bildhauer Josef Untersberger mitgestaltete.

Während der beiden Weltkriege und in der Zwischenkriegszeit wurde die Schwesterngemeinschaft immer wieder von Wohltätern versorgt. Auch in der NS-Zeit war die Existenz des Ordens mehrmals bedroht. Als das benachbarte Kapuzinerkloster beschlagnahmt wurde, nahmen die Karmelitinnen den alten Pater Lambert in die Gastwohnung auf und versorgten die anderen Patres, die bleiben durften, mit Speisen. Nach der Auflösung der Karmelitinnenklöster Mayerling und Graz im Jahre 1940 durch die NS fanden 13 Schwestern Aufnahme in Gmunden.

Das Kloster ist von einer hohen Mauer umgeben, dadurch wird die besondere „Mauergasse“ mit der Mauer einer Gärtnerei gebildet.


Die Mauergasse, rechts die Klostermauer

 Im Klostergarten befinden sich zwei   größere Kapellen Namens Ölberg und Nazareth, ein Kreuzweg und eine Gruft für die Schwestern, die mit vielen Muscheln ausgestaltet ist. Sie wurde erst ab April des Jahres 1900 in der Mitte des Gartens mit 20 Nischen für die Aufnahme der Särge errichtet. Die Gruftkapelle oberhalb der Gruft wurde von Kirchenmaler Engellachner ausgemalt. Die bis zu dieser Zeit am Stadtfriedhof bestatteten Schwestern wurden in einer „geheimen Aktion“ exhumiert und in der konventeigenen Gruft bestattet.


Das Innere der Gruft. Die Ausgestaltung der Gruft ist ein Werk der Schwestern.
Das Foto stammt aus der Festschrift „150 Jahre Karmelitinnen in Gmunden“.

Das „Marienheim“ dient als Ort der Rekreation für die Schwesterngemeinschaft und unter dem Gebäude befindet sich der Keller des Klosters. Im Garten werden Gemüse für die Selbstversorgung angebaut und Blumen gepflanzt. Die Schwestern erzeugen auch Hostien für den Eigenbedarf und für so manche Pfarrgemeinde der Umgebung und verzieren Kerzen. Neben dem „Klosterfrau Melissengeist“ sind alle diese Produkte an der Klosterpforte zu kaufen. Die derzeitige Schwester Priorin ist im Jahr 2020 schon 63 Jahre im Kloster und seit den 80er-Jahren Priorin in Gmunden. Zurzeit besteht die Schwesterngemeinschaft aus sechs Frauen.

                             
Das Marienheim - ein Ort für Rekreation            Der Blick vom Garten auf das Kloster

Die Kirche des Karmelitinnenklosters ist innen sehr schlicht, mit klaren Formen. Sie wurde in den Jahren 1964 bis 1966 völlig neugestaltet. Der Hochaltar, die Seitenaltäre, die Kanzel, die Empore, die Kommunionbank und die Betstühle wurden abgebaut.


Die „überladene“ Kirche vor 1964
Das Foto stammt aus der Festschrift „150 Jahre Karmelitinnen in Gmunden“.

Im Zentrum der neugestalteten Kirche ist der Volksaltar und an der Stirnwand eine gotische Muttergottesstatue aus dem 16. Jahrhundert mit dem Jesuskind. Die Neugestaltung erfolgte mit Baumeister Architekt Franz König-Hollerwöger. Die Schwestern können - geschützt vor den Blicken der Gläubigen aus dem Chor - die Hl. Messen mitfeiern. Das Klostergebäude wurde in den Jahren 1970 bis 1974 generalsaniert.


Der Innerraum der Kirche heute
Der Blick Richtung Volksaltar, rechts der Chor, zum Mitfeiern der Messe für die Schwestern.


Die Muttergottesstatue aus dem 16. Jhdt.


Das Innere der Kirche. Der Blick Richtung Sakristei

Die Karmelitinnen sind nun schon 192 Jahre in Gmunden und haben durch ihr Wirken, durch ihre Bescheidenheit und durch ihr Gebet viel für die Menschen getan, die sich in ihrer Not an sie wandten.

Diesen Beitrag verfasste der Obmann des Musealvereins August Mayer im Mai 2020.

Verwendete Literatur:
150 Jahre Karmelitinnen in Gmunden, Hrsg. Karmelitinnenkloster
Wikipedia

Fotos:
aus der Festschrift „150 Jahre Karmelitinnenkloster in der Stadt Gmunden“ und von August Mayer