Esplanade


Die Gmundner Seepromenade "Esplanade" reicht vom Rathausplatz bis zum Union Yachtclub. Sie ist ca. einen Kilometer lang und von zwei Reihen Kastanienbäumen gesäumt. Viele Ruhebänke laden die Spaziergänger zum Verweilen ein, zum Genießen der Aussicht auf den Traunstein, den Grünberg, das Höllengebirge und auf das Schloss Ort. Man kann sich ein Elektroboot ausleihen oder eines der vielen Kaffeehäuser aufsuchen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor Gmunden an Bedeutung für den Salztransport und Salzhandel. Mit dem Bau der Salzkammergutbahn wurde das Salz an Gmunden vorbei transportiert und viele Menschen verloren ihre Beschäftigung. Im Kurtourismus erhoffte man sich eine Wende. Bad Ischl war unserer Stadt schon einen Schritt voraus, hatte eine Sophienpromenade, Badehäuser und einen Kurbetrieb. Dies alles sollte auch in Gmunden entstehen!
Schon 1846 plante man einen „Ambulierweg“ von der Stadt Richtung Ort. Kaiser Ferdinand I. schenkte 1847 der Stadt Gmunden 900 Quadratklafter (32a 37m²) Seegrund für dessen Errichtung. Damals reichte der Seespiegel nämlich bis zur Straße, die direkt vor den Häusern bis zur Kuferzeile führte. Beschluss und Baubeginn der Esplanade waren aber erst 1850 und 1851 unter Bürgermeister Johann Tagwerker. 1851 wurde Gmunden auch Bezirkshauptstadt. Es gab natürlich auch Gegner des Bauprojektes. Der Bau in Etappen kostete der Gemeinde bis zur Kuferzeile 12.352 Gulden.

Für die Aufschüttung des Seegrundes benötigte man sehr viel Material, das zum Großteil vom Hochkogel stammte. Es wurde dort abgegraben und auf neu errichteten Rutschen und mit Fuhrwerken zur Baustelle transportiert. Auch das Abbruchmaterial des Obertorturmes (1854) wurde zur Aufschüttung verwendet.

Kaiser Franz Josef I. stiftete im Juni 1852 weitere 432 Quadratklafter Seegrund (15a 53m²), „zur Anlage eines öffentlichen Spaziergangplatzes Esplanade Prado“, und 1859 neuerlich 1877 Quadratklafter (71a 11m²), damit die Esplanade weiter bis zur Burgfriedgrenze, das war der Lehenaufsatzplatz, geführt werden konnte. Die Esplanade war somit 11m breit und die Straße 9,5 m breit.

In den Jahren der Errichtung wurden laufend Kastanienbäume - zuerst drei Reihen - gepflanzt, Rasenflächen angelegt, Ruhebänke aufgestellt und auch zwei „Rondeaus“ angelegt. Am 7. Mai 1862 eröffnete Bürgermeister Franz Schleiss die fertiggestellte Esplanade. Sie wurde als schönste Esplanade aller österreichischen Kurorte gepriesen. Die Gesamtkosten betrugen 37.000.- Gulden. Sofort ergänzte man den Spazierweg mit „Standln“, die während der Saison den Kurgästen „elegante Waren“ verkauften, wie Gmundner Geschirr, Andenken, Strohblumengebinde usw. 
Ab 1856 spielte auch die „Provisorische Blechharmonie“ täglich für die Gäste und es gab auch Eis und Konditorwaren zu kaufen. Auf der Höhe der Einmündung der Kuferzeile errichtete man eine Badeanstalt mit Schwimmschule auf Piloten. Am 17. Juli 1862 eröffnete Dr. Christian Feurstein sein „Cur- und Badehaus“, aus dem 1865 das Hotel Bellevue wurde. (Heute ist darin die Bezirkshauptmannschaft untergebracht.) Dr. Feurstein bot die verschiedensten Bäder, wie Sole-, Dampf- und Fichtennadelbäder usw. an. Es gab auch Milch- und Molkekuren usw.

Im Jahre 1867 wurde die Esplanade mit Petroleumlampen beleuchtet und der Grundstein für den Bau des „Cursalons“ bzw. des Casinos auf dem Platz des ehemaligen Fasslhauses gelegt, dazu wurde aber auch noch Seegrund benötigt. Ing. Franz Schuppler war der Planer des gesellschaftlichen Treffpunktes. Die feierliche Eröffnung fand am 1. Juli 1868 statt. Die Gesamtbaukosten betrugen 37.200,30 Gulden. Durch einen verheerenden Brand wurde das Gebäude am 24. März 1941 zum Großteil vernichtet und trotz vieler „Anläufe und Vorschläge“ nicht mehr aufgebaut.
1868 entfernte man die mittlere Baumreihe und verpflanzte sie auf den Graben. Die Zahl der Kurgäste und Besucher unserer Stadt stieg laufend an. 1871 errichtete die Stadt den ersten Musikpavillon, an der gleichen Stelle wurde dann im Jahre 1893 der zweite Musikpavillon gebaut. 1872 wurde von der Stadt beim zweiten Rondeau ein Pavillon mit einer Trinkhalle errichtet. Dort bekam man mit Soda angereicherte Getränke und Mineralwässer. Viele Maßnahmen, wie zum Beispiel die Errichtung weiterer Kuranstalten und Hotels, die zahlreichen Wanderwege, viele Villenbauten und die steigende Gästezahl usw. führten dazu, dass Gmunden schon früher, nämlich am 17. Mai 1862 das Kurstatut erhielt.
Im Jahre 1893 ließ die Stadtgemeinde am ersten Esplanaden-Rondeau sowohl einen neuen - den zweiten - Musikpavillon als auch einen Café-Pavillon errichten. Auf dessen linker Seite war der Damensalon mit 60 Sitzplätzen, rechts war der Herrensalon; er war auch Raucherzimmer. In der Mitte des Gebäudes war das Buffet mit Küche. Für viele Jahre war der Bau gesellschaftlicher Mittelpunkt in Gmunden.

 
Der 2. Musikpavillon an der Esplanade

 
Der durch einen Vorbau erweiterte Kursalon

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die „Seefiaker“ immer mehr. Ihr wichtigster Standplatz war die Esplanade. Die Männer boten mit kleinen Kielbooten zum Rudern, genannt Gondeln, Vergnügungsfahrten, Fahrten zu umliegenden Ortschaften am Traunsee oder zu Ausflugsgasthöfen an. Bei gutem Wind konnte man auch ein „Lateiner-Segel“ als Hilfe setzen. Ein Pachtzins von 2 Gulden musste für den Standplatz an die „Zentralcasse“ entrichtet werden. 1899 verzeichnete man 24 Konzessionen mit 99 Booten. Das war ein eigener Wirtschaftszweig.

 
Die Esplanade im Jahre 1942

Bürgermeister Margelik erhielt 1904 vom Herzogpaar die Erlaubnis, die Esplanade „Ernst-August-und-Thyra-Esplanade“ zu benennen.
Im Jahre 1967 wurde die Ufermauer bis zum Cafe Baumgartner saniert, Betonsitzbänke aufgestellt und eine abgestufte Uferterrasse im Bereich der Bootsvermieter errichtet. Unter Bürgermeister Erwin Herrmann verbreiterte man 1991 die Esplanade im letzten Drittel. Die Bevölkerung war teilweise gegen dieses Vorhaben, die vielen LKW-Fahrten mit Gestein vom Traunstein entlang des Sees wurden stark kritisiert. Schließlich beförderte man das Material mit Schiffen zur Baustelle. Heutzutage wird diese Verbreiterung sehr gut angenommen und das neue Stück bekam den Namen „Erwin-Herrmann-Kai“.

Wenn man 2020 die Esplanade entlang spaziert, so beginnt man bei den Steganlagen für die Traunseeschifffahrt und bei der „Schillerlinde“, die anlässlich des hundertsten Todestages 1905 zum Gedenken an den großen Dichter gepflanzt wurde. Auf der Gedenktafel ist zu lesen: “Was auch daraus werde – steh zu deinem Volk. Es ist dein angeborner Platz“. Das Zitat stammt aus „Willhelm Tell“.

 
Schillerlinde und Schillergedenktafel

Zur Rechten ist das ehemalige „Hotel Austria“, das an der Stelle des ehemaligen ärarischen Salzkellers und Salzstadels steht. Diese wurden 1869 bis 1871 abgerissen und das Hotel errichtet, das heute „Treffpunkt Austria“ benannt wird. Darin sind Hotelzimmer, Geschäfte, Wohnungen, Arztpraxen und drei Kaffeehäuser untergebracht. Es folgt ein moderner Bau mit einem großen Lebensmittelgeschäft, einem Kaffeehaus und mit der PKA, die „Physikalische Krankenanstalt“ für viele Therapien. Dann folgen drei Kioske mit Andenken, Keramik und Eisverkauf. Dahinter ist der herrliche „Kaiser-Franz-Josef-Park“. Das Denkmal des Kaisers ist am Rande situiert, in der Mitte befindet sich der Springbrunnen mit der Figur „Gnom mit dem Kristall“ vom Bildhauer Heinrich Natter. Am Ende des Parks steht der Gedenkstein für den Gmundner Operettenkomponisten August Pepöck.


Das Kaiser-Franz-Josef-Denkmal wurde vom Bildhauer Gigl nach einem Modell von Heinrich Natter angefertigt.

Auf der Seeseite sind Schwimmstege für Elektroboote und ein großes Seekaffee. Dann folgt wieder ein Bootsverleih, ein Spielplatz, ein Eissalon und der „Bürgermeister-Herrmann-Kai“. Auf der Grünanlage liegt ein Steinblock der ehemaligen Uferverbauung mit der eingemeißelten Jahreszahl 1860 und schließlich kommt man am Seeufer zur „Wetterstation“. Es ist ein Turm, in dem auch der Pegel des Traunsees angezeigt wird. Das Ende der Esplanade bildet das ehrwürdige Clubhaus des Union Yachtclubs Traunsee.

 
Der "Gnom mit Kristall" von Heinrich Natter

Im Sommer des Jahres 1886 unternahm Heinrich Natter mit dem Fürsten Hanau eine Bergwanderung. Da begegneten ihnen Bergknappen, die einen gerade im Berg herausgebrochenen großen Bergkristall ins Tal bringen wollten. Natter erwarb den wunderbaren 60 kg schweren Stein und brachte ihn nach Gmunden. Der Kristall regte die Phantasie des Künstlers an. Er sah Gnome im Berginneren bei ihrer schweren Arbeit, wie sie die Last ans Tageslicht schafften und so entstand diese Figur der „Gnom mit dem Kristall“. Die Stadt bekam „leihweise“ 1953 von den Erben die Skulptur und stellte sie in der Mitte des Brunnens auf einem Sockel auf. Am 1. September 1961 erwarb dann die Stadt Gmunden den Kristall von Michael Natter-Hornbostel. Der Brunnen ist ein oft fotografiertes Motiv.


Gedenkstein für Prof. August Pepöck, unseren Gmundner Operettenkomponisten


Steinblock 1860 und  „Pegelturm“


Töpfer beim Yachtclub und Blumentröge

Entlang der gesamten Esplanade sind Figuren aufgestellt (z. B. „Der Töpfer“, modelliert von Ludwig Königsberger), die zum „Keramikweg“ gehören, der vom Schloss Ort zum Gmundner Kammerhofmuseum führt. Die Blumentröge, die mit Fliesenstücken verziert sind, wurden von allen Gmundner Schulen anlässlich der Landesausstellung 2007 geschaffen. Auf der rechten Seite der Esplanade wurde ein Rad- und Fußgängerweg geschaffen.

Die Esplanade wurde und wird vielfältig genützt.  Es gab Blumenkorsos mit Booten und Autokorsos auf der Esplanade. Bekannt sind auch die großen Seefeste mit Musik und mit Feuerwerk. Es fanden und finden aber auch Ausstellungen, Jahrmärkte, Wochenmärkte und Sportveranstaltungen, wie z. B. der Toskanalauf oder Segelregatten, statt. Eine wichtige Veranstaltung ist auch der weithin bekannte Töpfermarkt mit tausenden Besuchern.

 
Blumenkorso in Gmunden 1949

In den letzten Jahren (2016/17) wurde eine Umfrage bei den Bürgern Gmundens gemacht. Man wollte herausfinden, welche Veränderungen sich die Gmundnerinnen und Gmundner für ihre Esplanade wünschen. Man wird sehen, was davon verwirklicht werden kann. Jetzt sind die Fachleute am Zug, und daher ist es gut, dass die Esplanade im April 2020 dokumentiert wurde.



Diesen "Schatz Gmundens“ verfasste August Mayer im April 2020.

Verwendete Literatur:
Dr. Ferdinand Krakowizer, „Geschichte von Gmunden“, 3. Band
Karl Piringer, „Gmundner Chronik“
Erwin Herrmann, „Gmundner Chronik“
F. Eitler, Kurdirektor u.a., 125 Jahre Kurstadt Gmunden“

Fotos: Internet und August Mayer