Seeschloss Ort

Bis vor wenigen Jahren war noch die Schreibweise „Orth“ üblich.


Das Schloss Ort heute mit der Holzbrücke

Foto: Franz Six

Das Seeschloss Ort befindet sich auf einer kleinen Insel, die mit einer ca. 120 m langen Holzbrücke mit der Halbinsel Toskana verbunden ist. Es ist das Wahrzeichen Gmundens. Bis vor wenigen Jahren war noch die Schreibweise „Orth“ üblich. Auf der linken Seite des Innenhofes sind verschiedene Hochwassermarken eingezeichnet, denen zu Folge das Hochwasser 1594 im des Seeschlosses Ort eine Höhe von 2,97 m und damit die oberste Stufe des Wandelganges erreicht hatte. Die kleine Schlosskapelle ist dem Heiligen Jakobus geweiht. Der Schlossturm, hinter dem das viel kleinere Kirchentürmchen fast verschwindet, trägt die Jahreszahl „1092“. Das Altarbild stellt „Maria Himmelfahrt“ dar, an der Jakobus der Ältere, der Kirchenpatron teilnimmt.

Am Traunsee befindet sich dieses Wahrzeichen Gmundens auf einer kleinen Insel, die mit einer ca. 120 m langen Holzbrücke mit der Halbinsel Toskana verbunden ist. Dort steht auch das Landschloss Ort. Es ist geschichtlich mit dem Seeschloss Ort eng verbunden.


Alter Stich von der Gesamtanlage Schloss Orth, 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. 


Ansichtskarte aus dem Jahr 1930

Aus der Geschichte des Seeschlosses
Das Seeschloss Ort, das ursprünglich eine Wasserburg war, wurde schon im Jahre 909 urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Gebäuden im Salzkammergut. Es soll auf den Resten eines römischen Kastells gebaut worden sein. Weiters gibt es im Jahre 1053 einen urkundlichen Nachweis über die „Veste Ort“. Die ersten Herrscher und Inhaber waren steirische Markgrafen: die Herren von Ort. Sie verwalteten die Herrschaft  vom 10. Jahrhundert bis zum Jahre 1244. Einer der bekanntesten Markgrafen aus diesem Geschlecht war Hartneid von Ort. Spätere Besitzer stammten aus dem Geschlecht derer von Rauhenstein und Wallsee, danach aus dem Geschlecht der Starhemberger und Polheimer. Der letzte Ritter von Ort wurde in den Kerker geworfen. 
Ab dem Jahre 1483 besaß Kaiser Friedrich III. (1440–1493) das Seeschloss. Er ließ den gewaltigen Torturm errichten. Die durch den Salzhandel reiche Stadt Gmunden kaufte das Schloss im 16. Jahrhundert, doch schon 1603 verkaufte sie es an Kaiser Rudolf II., weil die Erhaltungskosten für Gmunden doch zu hoch waren. Im Jahre 1630 wurde das „Land ob der Enns“ an Bayern verpfändet, und der bayrische Herzog Maximilian setzte Adam Graf von Herberstorff als Statthalter ein.  Dieser erhielt nun das Seeschloss Ort. Er bekam aber auch das Schloss Tollet und verwaltete von diesen beiden Schlössern aus Oberösterreich. Der Statthalter Herberstorff war vor allem bei den Bauern wegen seiner Strenge und wegen der hohen Steuern und Zehnte verhasst. Als Beispiel sei hier das „Frankenburger Würfelspiel“ angeführt: Der Graf lud die Bauern am 15. Mai 1625 zur Linde am Haushamerfeld bei Frankenburg zu Gesprächen, ließ sie aber von seinen Soldaten umzingeln und jeweils zwei um ihr Leben würfeln.  Die Verlierer wurden gehenkt. Die aufgebrachten Bauern wehrten sich und lösten damit im Jahre 1626 den oberösterreichischen Bauernkriegen aus. Auch im Raum Gmunden kam es zu Auseinandersetzungen. Am Hochkogel verschanzten sich ca. 5.000 Bauern. Diese gewannen die erste Schlacht gegen die bayrischen Soldaten. Die Bauern griffen verschiedene Adelshäuser in Gmunden an, zerstörten aber auch die Stallungen und Wirtschaftsgebäude an der Stelle des heutigen Landschlosses Ort. Auch das Seeschloss wurde geplündert und teilweise niedergebrannt. Am 15. November 1626 kam es schließlich zur entscheidenden Schlacht bei Pinsdorf. In dieser wurden die Bauern vernichtend geschlagen und erlitten große Verluste. Der Bauernhügel als Grab und Gedenkstätte erinnert heute noch an die tragischen Ereignisse.

    
Adam Graf Herberstorff                      

 
Die Allerheiligenkapelle der Pfarrkirche Altmünster

Nach dem Tod von Graf Herberstorff am 11. September 1629 - er wurde in der Pfarrkirche in Altmünster in der Allerheiligenkapelle begraben -  fiel das Schloss an seine Frau. Diese verkaufte es 1634 an ihren Schwiegersohn Johann Warmund, späterer Reichsgraf von Preysing. Er begann im Jahre 1634 mit dem Wiederaufbau des Schlosses in der heutigen Form. Im Jahr 1637 wurde die Herrschaft Ort zur Grafschaft erhoben. 1690 erwarben wieder die Habsburger das Seeschloss, es wurde von „Pflegern“ verwaltet, die aber dem Salzamtsmann untergeordnet waren. Erwähnenswert ist auch, dass zwischen dem 15. Jahrhundert und 1848 die Gerichtsbarkeit für den Bereich des heutigen Bezirkes Gmunden den Besitzern des Schlosses oblag. Die Stadt Gmunden hatte eine eigene Gerichtsbarkeit. Ein kleines vom Kammerhofmuseum gestaltetes Museum im Seeschloss zeigt noch heute Gefängniszellen, und auch der Hungerturm kann besichtigt werden.
                                                                                                                                                                                                                                                      Das Das Jahr 1867 brachte wieder große Veränderungen für das Seeschloss. Leopold II. von Toskana kaufte es und übertrug es an seinem Sohn Erzherzog Johann Salvator von Österreich-Toskana. Dazu gehörten auch viele Gründe im heutigen Ortsteil Ort natürlich auch das Landschloss Ort. Erzherzog Johann Salvator heiratete seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Milly Stubel, und verzichtete auf seine Adelstitel. Natürlich musste er seinen Lebensunterhalt finanzieren. Deshalb segelte er 1890 mit seinem Dreimaster St. Margaret von Hamburg nach La Plata und wollte weiter nach Valparaiso, um dort Salpeter zu kaufen und aus dessen Weiterverkauf Gewinne zu erzielen. Nach der Umsegelung des gefährlichen Kap Hoorn erreichte sein Schiff Valparaiso nicht. Johann Orth und seine Ehefrau, das Schiff und die Mannschaft galten als verschollen. Johann Orth wurde 1911 für tot erklärt, und dadurch kamen die Schlösser in den Besitz des österreichischen Kaisers Kaiser Franz Joseph.


Erzherzog Johann Salvator, der sich ab 1889 Johann Orth nannte, und Milly Stubel
                                                                                                                                                                             Die 1914 erwarb die Kaiser Franz Josephs Jugendheimstiftung das Schloss.
Nach dem Ersten Weltkrieg gingen die Schlösser in den Besitz der Bundesforste über. Ab 1988 wollte man das Seeschloss verkaufen. Die Stadtgemeinde Gmunden erwarb es 1995 um 60 Millionen Schillinge. Das Schloss wurde daraufhin bis 1998 um 70 Millionen Schillinge mit Hilfe des Landes OÖ. renoviert und damit für die Öffentlichkeit erhalten.
Die Stadtgemeinde Gmunden verlegte das Standesamt in das Schloss, eine Gastronomie, die "Orther Stuben", wurde geschaffen und die Räumlichkeiten und der Hof für Ausstellungen, Konzerte, Hochzeiten usw. genützt.
Im Landschloss Ort war bis vor Kurzem die forstliche Ausbildungsstätte des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft untergebracht (FAST). Diese übersiedelte 2019 nach Traunkirchen. Von 1996 bis 2004 war das Schloss Schauplatz für die weltweit erfolgreiche Fernsehserie „Schlosshotel Orth“ mit 144 Folgen. In den letzten Jahren wurde auch der stimmungsvolle „Schlösseradvent“ abgehalten.

Das Seeschloss, sein Aussehen, seine Räumlichkeiten und seine Besonderheiten 
Das Schloss ist eine unregelmäßige Anlage mit einem sehr romantischen, dreieckigen Innenhof. Auf zwei Seiten sind doppelgeschossige Barocksäulengänge mit Marmorsäulen. Diese wurden im Auftrag von Graf Herberstorff geschaffen. Neben dem Eingangstor befindet sich ein Sgraffito aus dem Jahre 1578, eine Hochwassermarke mit der „Gößhöh“, die die Höhe der Wasserstände im Innenhof mit Jahreszahlen anzeigt. Das Dach ist mit Holzschindeln gedeckt und viele Schornsteine ragen aus dem Dach. Im Innenhof führt eine gotische Außentreppe in den ersten Stock. Dort befinden sich der ehemalige Palas, der Wappensaal und mehrere Nebenräume.

                 
Der Schlossinnenhof mit den Bogengängen                Links die spätgotische Treppe


Arkadenbögen im Innenhof
Foto: Franz Six


Das Uhrwerk im Turm aus dem Jahre 1634.
Es muss täglich mit der Hand aufgezogen werden!

      
Die Anzeigen der Hochwasserstände                 Blick in den „Hungerturm“
Foto: Franz Six

 
Detailaufnahme im Wappensaal!


Die Turmuhr
Foto: Franz Six


An einer Wand des Innenhofes erkennt man Reste von Sgraffito-Malereien
mit der  Jahreszahl 1578.

Foto: Franz six

Die Kirche im Seeschloss Ort

 Eingangsportal zur Schlosskirche
Rechts neben der Außentreppe erkennt man den Eingang in die Schlosskapelle. Durch ein kanonisches Benefizium bekam der zuständige Pfarrer 1753 im Schloss ein Wohnrecht. Unter Kaiser Joseph II. wurde dieses Benefizium im Jahr 1784 zu einer eigenen Pfarre.
Sehenswert sind das Stichkappen-Tonnengewölbe und das Hochaltarbild. Es stellt Mariens Himmelfahrt dar. Zu ihren Füßen ist knieend der Kirchenpatron St. Jakobus der Ältere dargestellt. Die sehr alte und kunstvoll geschnitzte Marienstatue "Madonna von Ort" ist eine besondere Kostbarkeit. Ins Seeschloss Ort kam sie auf folgende Weise: Als die Wallfahrtskirche "Maria am Anger" in Lorch bei Enns abgerissen, hat sie der Beamte Franz Xaver Edler von Tusch die wundertätige Statue erworben. Im 19. Jahrhundert wurde sie von der Familie Tusch der Pfarre Ort geschenkt und an der Evangelienseite der kleinen Kirche in einer Mauernische aufgestellt.
In der Kirche erkennt man auch noch Reste von Renaissancefresken. Sie wurden im Jahr 1952 freigelegt.
Da es auch seit vielen Jahren die Möglichkeit von Trauungen im Schloss gibt, nützten und nutzen viele Hochzeitspaare dieses romantische Ambiente für standesamtliche und kirchliche Trauungen.

 Das Altarbild "Maria Himmelfahrt"

 
Der zweigeschossige Chor in der Kapelle des Schlosses

 Die Madonna von Ort

Die Nixe vom Laudachsee
Verkürzte Nacherzählung des Märchens von August Mayer

Eines Tages beobachtete der Riese Erla die junge Nixe beim Baden im Laudachsee. Er verliebte sich in die blonde Nixe und wollte sie heiraten. Doch das war wegen ihres Fischkörpers und wegen seiner Größe nicht möglich. Da besuchte er die Hexe Kranawitha und bat sie, ihm Menschengestalt zu verleihen und dem „Blondchen“ – so nannte er es inzwischen – Beine zu geben. Dann eilte er zum Ufer des Traunsees, warf Steine an das andere Ufer, um eine Insel für sein Schloss entstehen zu lassen. Er bat die Zwerge vom Rötelsee, ihm beim Schlossbau zu helfen. Er holte Marmor vom Untersberg und Gold aus dem Rauristal. Bald stand das prächtige Schloss, die Wünsche gingen in Erfüllung und die prächtige Hochzeit konnte gefeiert werden. So lebten sie glücklich am Traunsee. Doch Nixenglück dauert nur ein Jahr! Blondchen wurde immer schwächer und schwächer und schließlich verstarb Blondchen. Erla bettete es in einen gläsernen Sarg und ruderte mit einer Zille hinaus auf den See. Er versenkte den Sarg und war unermesslich traurig. Er tauschte seine Menschengestalt zurück und stieg auf seinen Kogel. Dort meißelte er die Gesichtszüge seines geliebten Blondchens in tagelanger Arbeit in den Felsen, wo man sie heute noch erahnen kann.

Dieser "Schatz Gmundens" wurde von August Mayer verfasst.

Verwendete Literatur
:
Krakowizer, Ferdinand: Geschichte der Stadt Gmunden“, Band I bis III
Das Gmunden-Taschenbuch, Musealverein Gmunden 2008
Wikipedia
Fotos: Internet, August Mayer und Franz Six