Schleiss-Doppelhaus

Von den Hafnerhäusern in Seestadtl zum Schleisshaus
 
Das restaurierte und revitalisierte Schleiss-Doppelhaus im Jahr 2019

Das Schleiss-Doppelhaus ist gewissermaßen das Herz der Keramikstadt Gmunden, war es doch Sitz und Werkstätte der Familie Schleiss. Hier arbeiteten nicht nur die weithin geschätzten Gmundner Hafner, sondern auch Jugendstil-Künstler der Wiener Werkstätten wie Michael Powolny und Dagobert Peche oder später Franz von Zülow. Ihre Arbeitgeber, Franz und Emilie Schleiss, gründeten später auch die weltbekannte Gmundner Keramik Manufaktur.

Geschichte des Doppel-Hauses:
In Krackowizers „Häuserchronik der Stadt Gmunden“ ist das Doppelhaus zuerst unter den alten Benennungen „Kueferzeil“, „Beim See“ bzw. „Seestadtl 1 und 2“ verzeichnet. Nach Einführung von Straßennamen bekamen die Häuser nach dem Bau der Uferpromenade die Adresse Esplanade 1 und 2 und ab 1890 die heute noch gültigen Adressen Theatergasse 14 und 16.
Das Haus Theatergasse 14 ist das ältere von beiden. Es wurde um 1450 errichtet. Laut Chronik stand das Haus Theatergasse 16 von 1542 bis 1789 im Besitz von Bäckern. Das seit 1632 als Doppelhaus bestehende Objekt erwarben 1789 die Hafner Josef und Ursula Prein. Sie besaßen damals schon das Nebenhaus Theatergasse 14. In diese Zeit fällt auch die Adaptierung und die Gestaltung einer gemeinsamen Fassade für beide Häuser. Seit dieser Zeit sind die Häuser in einer Hand.
Nach etlichen Besitzwechseln erwarb 1843 die Familie Schleiss von Ignaz Pott diese beiden Häuser: In diesem Jahr hat der Tischlermeister Franz de Paula Schleiss der Ältere (1813–1887) eine Hafnertochter geheiratet und mit ihr gemeinsam die Häuser Seestadtl Nr. 1 und 2, die die „Hafnergerechtigkeit“ besaßen, erworben. Gemeinsam mit seiner Frau Franziska baute er den Betrieb auf großartige Weise auf.
Die Familie führte das Hafnerhandwerk weiter, vor allem im 20. Jahrhundert. 1903 wurde die Gmundner Keramik gegründet, an der allerdings die Familie Schleiss bereits in den 20-iger Jahren die Mehrheit verlor. Länger von Bestand war die „Künstlerischen Werkstätte Franz und Emilie Schleiss“. Sie macht bis heute das besondere Flair des inzwischen längst stillgelegten - Unternehmens aus. Es bestand sogar eine Vertriebskooperation mit der Wiener Werkstätte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg erfolgten wesentliche Umbauten und Erweiterungen für eine gewerbsmäßige Produktion und in den Jahren knapp vor und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Elektroöfen umgestellt.
Das bald Schleisshaus genannte Doppelhaus blieb bis 2017 im Besitz der Keramikerdynastie Schleiss. Die Keramikerkunst wurde allerdings darin längst nicht mehr ausgeübt. In den vergangenen Jahren hat es eine vielfältige Nutzung erfahren. Sein letzter Mieter war ein Betreiber von Glücksspielautomaten. Danach stand das geschichtsträchtige Haus leer und war dem Verfall weitestgehend preisgegeben. Der  Gebäudekomplex samt Garten wurde 2016 von den Erben der Familie Schleiss an die Domus Felix Bauträger GmbH verkauft. Diese steht im gemeinsamen Eigentum von Stern & Hafferl Immobilien sowie APL Immobilientreuhand (Fam. Lintner). Sie ließ ihn gemeinsam mit dem Gmundner Baukonzern Stern & Hafferl Bau GmbH revitalisieren. Die Bauträger haben das Gebäude unter Schonung der Substanz in ein Wohn- und Geschäftshaus umgewandelt sowie im Garten zwei Stadtvillen mit jeweils 7 Wohnungen errichtet hat. Dabei ging man behutsam vor: Die denkmalgeschützte Fassade und das Dach wurden originalgetreu renoviert. Die Innenräume dagegen wurden auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Beides geschah in Rücksprache mit der Denkmalbehörde. Im Erdgeschoß entstanden moderne Geschäftsflächen, im Rest des Gebäudes Wohnungen. Nach einer Bauzeit von eineinhalb Jahren wurde das revitalisierte Schleißhaus am 29. Juni 2018 feierlich eröffnet.

Bewertung durch das Denkmalamt
Das Denkmalamt nennt das Doppelhaus ein „Dokument eines typischen renaissancezeitlichen Gmundner Hauses“ mit großartigen Details wie dem Stichkappentonnengewölbe im Erdgeschoßflur, einem rundbogigen Portal aus der Zeit um 1600 oder josefinischen Türen im 1. Stock.


                                                                               
An der Wand in einem der Häuser befindet sich diese aus Keramik gefertigte alte mit kommerzieller Werbung kombinierte Ansicht des Doppelhauses.

  
Keramikkunstwerke am Schleiss-Haus

 

Die Vorderfront des Schleiss-Doppelhauses vor und nach der Renovierung

    
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ie alten Hafnerhäuser Theatergasse 16 (Mitte) und 14 (rechts)
Darin befand sich die Keramikwerkstätte Schleiss.
Ihr war auch ein Verkaufsgeschäft angeschlossen.

Schleiss-Haus-Renovierung bringt den "Salzträger"-Preis
Für seine stilvolle Renovierung des Doppelhauses Schleiß - aber auch des Seiler- oder Färberhauses - hat der Produktentwickler aus Perchtoldsdorf Mag. Paul Lintner von der Stadtgemeinde Gmunden den „Salzträger“-Preis verliehen bekommen, denn er hat den zwei denkmalgeschützten Ensembles ihre historische Substanz und Außenwirkung gelassen und ihnen zugleich mit qualitätsvollen Wohnungen neues Leben eingegeben. Der "Salzträger" ist ein Preis, der an Personen und Firmen verliehen wird, die stilvoll und behutsam Objekte renovieren statt sie abzureißen. Herr Lintner ist ein Projektentwickler aus Perchtoldsdorf und der aktuelle Eigentümer. Er hat den zwei denkmalgeschützten Ensembles ihre historische Substanz und Außenwirkung gelassen und ihnen zugleich mit qualitätsvollen Wohnungen neues Leben eingegeben. Er hat begriffen, dass diese Objekte den historischen Charakter der Stadt Gmunden prägen und ausmachen. Da sie denkmalgeschützt sind, ist in diesen beiden Fällen ein Abriss aber kaum möglich gewesen. Mögen andere Investoren diesem Beispiel folgen!

 
Fassade und Eingangsbereich des Schleiß-Doppelhauses nach der Renovierung.
Hier stimmt jedes Detail.
Foto: Otto Kienesberger

Das Ehepaar Lintner hat anlässlich der feierlichen Eröffnung des Schleisshauses am 3. Juli 2019 eine DAUERAUSSTELLUNG in Gmunden organisiert.

Diese Seite wurde von Holger Höllwerth unter tatkräftiger Hilfe von Josef Aigner zusammengestellt.