Der Gmundner Kammerhof

Als „Kammerhof" wird in Gmunden ein Gebäudekomplex in der Kammerhofgasse gleich neben dem Trauntor bezeichnet. Der historische Kammerhof ist ein Gebäudekomplex, der aus dem 14. Jh. stammt und seit 1453 als Sitz des landesfürstlichen Salzamtes zu einer der wichtigsten Einrichtungen des Salzkammergutes wurde. Das Gebäude wurde um 1450 aus zwei bestehenden „Hofstätten" für das kaiserliche Salzamt errichtet. Ursprünglich war es eine gotische Anlage, die im Laufe der Zeit stark vergrößert und verändert wurde. Erst im Jahre 1854 entstand der gegen den See zu vorgebaute Flügel in der Schleißgasse. Ohne jeden Zweifel war – und ist auch heute noch - der Kammerhof das dominierende Gebäude der Stadt Gmunden.

Seit 1453 wurde der Kammerhof als Verwaltungssitz des landesfürstlichen Salzamtes zu einer der wichtigsten Einrichtungen des Salzkammergutes. Von hier aus hat der Salzamtmann (später wurde er zum Salzoberamtmann befördert) die Salzgewinnung und den Salzhandel des gesamten „Kaiserlichen Kammergutes" von Hallstatt bis Gmunden verwaltet. Das Salzamt überwachte als strenge Behörde Jahrhunderte lang das staatliche Salzmonopol und den Handel mit dem Weißen Gold. Im Auftrag der Wiener Hofkammer hielt der Salzamtmann das Salzkammergut unter Verschluss. Da in Gmunden das Salz umgeschlagen wurde, hatten die Herrscher immer ein Auge auf das Gmundner Salzamt gerichtet. Dem Löwenanteil nach kamen ja die Einkünfte der Monarchie aus dem Salzhandel.

Weil der Salzhandel für die Staatskasse der Habsburgermonarchie so wichtig war, statteten zahlreiche Mitglieder des Hauses Habsburg in ihrer Funktion als Landesfürsten im Kammerhofgebäude dem Salzamtmann einen Besuch ab, um sich über die Lage und die Erträge der Salzwirtschaft zu informieren. Vor allem Kaiser Friedrich III. und dessen Sohn Kaiser Maximilian I. hielten sich mehrmals länger hier auf. Unter Kaiser Maximilian I. wurde das Salzwesen sogar neu geordnet und straff organisiert.

Im Kammerhofgebäude befand sich auch der Wohnsitz des Salzamtmannes. Seine Wohnräume waren auch ein gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Stadt. In diesen wurden Theaterstücke aufgeführt und Hauskonzerte veranstaltet. Natürlich wurden die zahlreichen Räumlichkeiten des riesigen Komplexes auch für andere Zwecke genutzt, hauptsächlich als Magazine u. a. m.

Seit durch den Eisenbahnbau die Transportwege des Salzes nicht mehr über den alten Umschlagplatz Gmunden führten, sondern über die Salzkammergutlinie und die Westbahnstrecke verlor der Kammerhof seine einstige Bedeutung als repräsentatives Verwaltungszentrum. Mit dem Revolutionsjahr 1848 verlor Gmunden auch den letzten Rest beamteter Autorität. 1850 degradierte man das ehrwürdige Salzamt zu einer pragmatischen Salinen- und Forstdirektion. Anfang des Jahres 1850 wurde deshalb das „Salzoberamt“ in Gmunden in die „k. k. Salinen- und Forstdirektion für Oberösterreich“ umgewandelt. Diese neue Behörde erhielt als Amtssitz ein 1838/39 erbautes Gebäude am Klosterplatz.

1870 ging der Kammerhof-Gebäudekomplex in den Besitz der Stadtgemeinde über. Nun wurden die Räume des Kammerhofes für neue Zwecke genutzt: So befand sich darin einige Zeit lang eine Dependance des „Hotels Schiff“. Hauptsächlich waren in dem Gebäude Geschäftslokale und Wohnungen untergebracht. Auch die Polizeidienststelle wurde von der Seilergasse hierher verlegt.

Während des Ersten Weltkriegs war im Kammerhof auch ein Lazarett eingerichtet. Als in der Nachkriegszeit extreme Wohnungsnot herrschte, wurde der Kammerhof zur Unterbringung von zusätzlichen Wohnungen herangezogen. Zu diesem Zweck ließ die Stadt noch 1919 im Kammerhof zur Verfügung stehende Räume wie z. B. das Magazin der Fa. Höller, die nicht mehr verwendete Dependance des Hotels Schiff und die ehemaligen Unterkunftsräume der 60 Mann starken Volkswehr als Wohnungen adaptieren. Laut Recherche von Hans Wagneder sollen in der Zeit der größten Auslastung im Kammerhof 25 Wohnungen gewesen sein. Aber auch zahlreiche Geschäfte und auch Betriebe hatten nun in diesem imposanten Gebäude ihren Standort wie z. B. das Milchgeschäft des Johann Nöstlinger, das Stoff- und Teppichgeschäft Mathias Bräu, die Eisenhandlung und das Sportgeschäft Höller-Löberbauer, die Fahrradhandlung August Hausherr, die Schneiderei des Friedrich Kormany, das Juweliergeschäft Diller, die Papierhandlung der Josefine Caesmann, die Gemischtwarenhandlung von Anna Astecker, die Kupferschmiede Franz Zechmann. Im Polizeihaustrakt hatte z. B. der Zahnarzt und Zahntechniker Dr. Josef Wittenhofer seine Wirkungsstätte. Außerdem gab es im Kammerhof auch diverse Büros wie z. B. im 1. Stock das Sekretariat des Gewerbevereins Gmunden und Umgebung sowie ebendort die Kanzlei des Bezirksverbandes der Gewerbegenossenschaften des politischen Bezirks Gmunden. Auch das sog. Arbeiterheim fand in den 1920er Jahren im Kammerhof eine Bleibe.


Das Kammerhofgebäude mit davorliegendem Garten um 1930

In der NS-Zeit wurde 1942 auch das Stadtmuseum vom Haus Esplanade 5 in den Kammerhof verlegt. Es wurde nun als „Kammerhofmuseum“ bezeichnet. Außerdem wurden damals die Stadtbücherei und die Kurverwaltung in dem Kammerhofkomplex angesiedelt.

Am Beginn der 1960er Jahre gab es im Kammerhofkomplex noch 16 Wohnungen, 11 Geschäfte, die Dienststelle der städtischen Polizei, das Parteilokal der KPÖ, eine Musikschule, verschiedene Betriebsräume des Museums u. a. m. Sie alle waren vom Umbau betroffen. Eine totale Räumung für die Dauer des Baugeschehens war erforderlich.


Kammerhof und Trauntor vor dem Umbau Anfang der 1960er Jahre

Ab 1962 kam es zum Umbau des Kammerhofes. Nach der Umgestaltung wurde der Kammerhof hauptsächlich für kulturelle Zwecke genutzt: Es entstanden Veranstaltungsräume im ersten Stock mit einem Saal für 180 Personen, dem sog. Kammerhofsaal, ein Galerieraum im Dachgeschoß und das Museum wurde gehörig umgestaltet, neu gegliedert und vergrößert. Das alte Museum war im zweiten Stock untergebracht und litt unter Raummangel. Ein Großteil befand sich in jenem zum Abbruch bestimmten nordostseitigen Gebäudeflügel aus dem 19. Jahrhundert. Auch das Standesamt kam vom Rathaus hierher. Der Umbau ging zäh vor sich: Er dauerte fast neun Jahre - von 1962 bis 1971.


Situationsplan für den Umbau Trauntor-Kammerhof

Nach Abbruch des nordostseitigen, gegen die Brücke vorspringenden „Kammerhoftraktes“ wurde neben dem alten Trauntor ein zweites, gleich großes Tor errichtet.


Der projektierte Umbau von Kammerhof und Trauntor in der Vogelschauperspektive

Eine Entschädigung für die viele Arbeit und die hohen Kosten sowie die vielen Unannehmlichkeiten war das Auffinden wertvoller gotischer Fenstergewände an der Front der Kammerhofgasse und an der Torseite.

Im Zuge des Umbaus wurde außerdem das Wappenfresko Kaiser Maximilians I. aus dem Jahr 1490 an der Seitenwand der Polizeihausarkade von Prof. Fritz Fröhlich restauriert. Das Fresko erinnert an die wiederholten Aufenthalte dieses Kaisers in Gmunden.

Im Zuge der 2008 abgehaltenen oberösterreichischen Landesausstellung zum Thema „Salzkammergut“ wurde der Komplex wieder erheblich umgestaltet, weil das Kammerhofmuseum ein neues Gesicht und ein der modernen Museumsdidaktik entsprechendes Innenleben erhalten hat.

 

Das Kammerhofgebäude mit den zwei Trauntoren heute

Einige Jahre nach der großen Revitalisierung wurde auch das Wappenfresko Maximilians I. erneut restauriert.
 

Quelle: www.sagen.at

Der Beitrag wurde von Holger Höllwerth gestaltet.