Kapuzinerkloster und Kapuzinerkirche

 
Kloster und Kirche, Ansicht vom Garten     


Die Kapuzinerkirche fotografiert vom Klosterplatz

Vom 1629 gegründeten Welser Kapuzinerkloster aus missionierten die Kapuziner auch das Traunviertel. Mehrere Gemeinden zeigten Interesse an einer Klostergründung. Der Welser Guardian Pater Nikolaus von Schönberg verhandelte auch mit dem Stadtmagistrat von Gmunden wegen der Klostergründung. Und nach erfolgreichen Verhandlungen erbat der Salzamtsmann Georg Prugglacher die Zustimmung des Kaisers Ferdinand II. Daraufhin wurde ein geeigneter Platz außerhalb der Stadt gesucht. Insgesamt neun Wohnhäuser mit Nebengebäuden mussten dem Kloster weichen. Dessen Finanzierung erfolgte aus der kaiserlichen Salzkasse. 
Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Oktober 1636 mit einem großen Fest und einer Prozession von der Stadtpfarrkirche zum Bauplatz. Der Abt von Garsten, Salzamtsmann Prugglacher, viele Adelige und Bürger aus Gmunden nahmen daran teil. Die Kirche sollte nach den Wünschen des Kaisers zu Ehren Mariä Heimsuchung und des Hl. Antonius von Padua geweiht werden.

Zur Erinnerung an die Grundsteinlegung verteilte der Abt auch Gedenkmünzen im Wert von je einem Gulden an die Bevölkerung. Der Bauvertrag wurde am 7. Juni 1636 abgeschlossen; und die Demontage der angekauften Häuser begann am 13. Juni 1636. Baumeister war Marcus Spatz aus Linz. Der Stadtzimmermeister Michael Götschhofer war für die Zimmermannsarbeiten zuständig.

  Kaiser Ferdinand II.

Während der Bauphase lebten und wirkten die Mönche in der Stadt im Haus Marktplatz 13, dem heutigen Kolpinghaus.

Die Kirche wurde, so wie es bei den Kapuzinern üblich war, in einem einfachen Stil erbaut, architektonisch schmucklos, mit einem steilen Schindeldach und mit einem kleinen Turm sowie mit nur einer bildlichen Darstellung des hl. Franziskus an der Außenwand. Der einzige Innenraum ist ohne Säulen. Auf der rechten Seite schließt an die Seitenkapelle die Beichtkammer an. Zur gleichen Zeit errichteten die Kapuziner auch das Kloster und beide wurden nach neunjähriger Bauzeit 1645 fertig.

Die feierliche Einweihung erfolgte am 25. November 1645 durch den Erzbischof von Prag, Adalbert Graf Harrach unter großer Teilnahme der Bevölkerung, des Adels, der Stadtregierung und vieler Ordensbrüder.
Ursprünglich hatte die Kirche nur drei Altäre, doch der Graf Preisgott von Kufstein stiftete 1664 einen vierten Altar zu Ehren des Hl. Antonius von Padua.

Im Jahre 1643 waren  schon 30 Mönche in Gmunden tätig.

1827 wurde die alte Orgel von der Pfarrkirche Pinsdorf eingebaut.
Im Jahre 1872 erhielt die Kirche vom Linzer Orgelbauer Franz Havel eine neue Orgel, die heute noch in Verwendung ist.

 Die Orgel von heute

In den Jahren 1688, 1690 und 1730 waren bauliche Veränderungen in Kirche und Kloster notwendig.  Nach den Renovierungen war es auch notwendig, neue Altäre anzuschaffen. Nach vielen Hindernissen und Verzögerungen wurde der Bildhauer Maal aus Wels beauftragt, die Altäre anzufertigen: Vereinbart wurden für den Hochaltar 
830 Gulden, für die Seitenaltäre je 140 Gulden und für den Altar in der Kapelle 600 Gulden. Die Altäre wurden 1754 und 1755 aufgestellt.

Der Tiroler Maler Phillipp Haller, ein Schüler des Venezianers Giovanni Piazetta  und des Paul Troger, schuf die vier Altarbilder zum Preis von 500 Gulden, darunter auch das bekannteste Bild des Hochaltares „Maria Heimsuchung“. Er malte auch den Hl. Fidelis, den Hl. Josef von Leonissa, den Hl. Franziskus, den Hl. Antonius, die Hl. Josef und Felix (mit Goldrahmen) und die Hl. Klara und Elisabeth.

1742 schaffte man eine kleine Glocke an.  Eine neuerliche Umgestaltung (Altäre, Kanzel, Oratorium….) erfolgte in den Jahren 1872 bis 1875 durch den Gmundner Bildhauer Josef Unterberger in Zusammenarbeit mit Franz Engellacher und Peter Jedinger.

Die Zahl der Kapuziner in Gmunden entwickelte sich unterschiedlich. So waren 1810 nur mehr 3 sehr betagte Ordensbrüder im Kloster, 1826 waren fünf und 1873 wieder zehn Fratres (vier Patres und sechs Laienbrüder).


Das Kircheninnere, als die Altäre noch vorhanden waren

Während der verheerenden Pestzeiten in Gmunden in den Jahren 1704 und wiederum 1742 halfen die Mönche den Pestkranken in der Stadt, aber mehrere Klosterbrüder bezahlten ihre Hilfe mit dem Tod durch Ansteckung.

In der NS-Zeit wurde das Kapuzinerkloster beschlagnahmt. Erst im Herbst 1945 durfte  es wieder besiedelt werden.  Guardian P. Friedrich Steiner wurde von der amerikanischen Militärbehörde zum Treuhänder von Kirche und Kloster bestimmt.

Für mehrere Jahre gab es im Kloster auch eine Bücherei, die ihren Bestand großteils aus Erbschaften zusammengetragen hatte. Es gab aber auch Handschriften aus dem 16. Jahrhundert. Nach Auflösung der Bücherei wurden die wichtigsten Bücher und Schriften nach Innsbruck gebracht.

1966 wurden wegen Wurmbefalles die Holzaltäre entfernt und später die Altarbilder an der Vorderwand angebracht.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten waren 1974 bis 1984 notwendig, da das Gewölbe einzustürzen drohte. Ein Stahlkorsett musste angebracht werden, Kirchenbänke und der Fußboden mussten erneuert werden.

Im Jahre 2007 wurde das Kapuzinerkloster aufgelassen und an die Stadtgemeinde Gmunden verpachtet.
Die Kirche ist eine Filialkirche der Gmundner Stadtpfarre und wird dzt. im Jahre 2020 von Pfarrer Dr. Gustav Pirich betreut.

Besonders sehenswert in der Kapuzinerkirche sind das Hochaltarbild „Maria Heimsuchung“, die Statue „Christus im Kerker“ und  die „Schmerzhafte Madonna“ aus dem 17. Jahrhundert. Beide Statuen wurden von unbekannten Meistern geschaffen.

In der Kirche finden auch Konzerte und Choraufführungen statt.

Das Klostergebäude wird vielfältig genützt: So ist momentan der Betriebskindergarten „Kapuzi“, das offene Technologielabor "Otelo", ein Repair-Café, eine Notschlafstelle, der „Kinderschrank“ mit Kleidung von 0 bis 14 für bedürftige Familien und das Generationenzentrum der Stadt e. a. m. darin untergebracht.
Im Kloster werden auch Lesungen, Flohmärkte (Lions-Allegra) und Feste wie z.B. das Nudelfest oder der „Tag der Tracht“ veranstaltet.


Die Kapelle nach dem Umbau des Kirchenvorplatzes


Klostergarten mit dem renovierten Brunnen und den Sitzbänken,
die vom Gmundner Lionsclub renoviert wurden.


Der Schleisskachelofen im Refektorium


Südliche Klosterfront mit Sonnenuhr


Damals wie heute eine „wichtige Aufforderung“ an die Kirchenbesucher
 

 
Der Innenhof des Klosters
 

Fresko „Franz von Assisi“ an der Vorderfront der Kirche


Die Sonnenuhr an der Südfront des Klosters zum Garten

Diesen Beitrag verfasste August Mayer.

Verwendete Literatur:
Krakowizer, Ferdinand, Geschichte der Stadt Gmunden Bd. I-III
Karl Piringer, Gmunden Chronik Bd. 1-5
Erwin Herrmann, Gmunden Chronik, Bd. 1 und 2
Wikipedia
Das Gmunden Taschenbuch, Eigenverlag des Musealvereines Gmunden, 2008
Kapuziner, 350 Jahre in Gmunden, 1986

Fotos:
August Mayer, Internet, Wikipedia