Stadttheater


Das Stadttheater heute

Der Bau unseres Stadttheaters begann am 20. April 1871. Zuvor gab es ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Spielstätte im Kammerhofgebäude. Laiendarsteller – sogenannte Dilettanten - und Schauspielgruppen bestritten viele Aufführungen.
1823 wurde diese Lokalität wegen Feuergefährlichkeit geschlossen.
Im Jahre 1826 wurde ein kleines Theater im Schloss Ort eröffnet. Nach wenigen Jahren wechselte das Theater in einen umgebauten Pferdestall in der Kammerhofgasse 5.
Im Jahre 1841 bezog das Theater einen Saal im rückwärtigen Teil des Gasthofes „Zum goldenen Schiff“, der unter anderem auch als Ballsaal verwendet wurde. Dieser Saal war Heimstätte für viele Theatergruppen und bis 1867 auch für eine Gmundner Laienspielgruppe.
In den Folgejahren spielten verschiedene Theatergruppen in den Gmundner Gasthöfen „Zum goldenen Adler“ und „Zum goldenen Hirschen“.

Als Gmunden im Jahre 1862 das Kurstatut erhielt, wurde es immer dringender, ein „richtiges“ Theater für die vielen Kurgäste zu errichten. Im Jahre 1870 bot der Direktor des Salzburger Theaters J. M. Kotzky der Stadtgemeinde Gmunden an, auf seine Kosten ein Theatergebäude zu errichten. Voraussetzung war, dass ihm ein günstiger Baugrund zur Verfügung gestellt würde. Die Wahl fiel auf den Standort des ehemaligen „Fasslhauses“. Diesen Grund erwarb Kotzky um 10 Gulden pro Klafter.
Ing. Franz Schuppler entwarf die Baupläne, und so konnte am 20. April 1871 mit dem Bau begonnen werden. Schon am 22. Juni 1872 erfolgte die feierliche Eröffnung mit der Aufführung der Operette „Die schöne Galathee“ von Franz von Suppé‘.

 
Alte Ansichten des Stadttheaters o. J.
Beide Fotos: Kammerhofmuseum

Das Saisontheater wurde von Mitte Juni bis Mitte September mit Opern, Operetten  und Schauspielen bespielt.
Als Direktor Kotzky 1881 starb, führte es die Witwe Marie Kotzky bis 1883 weiter, dann folgte Alfred Cavar als Geschäftsführer und viele weitere Herren, meistens Direktoren vom Linzer Landestheater.
Die Söhne von J. M. Kotzky Karl und Josef Kotzky übernahmen 1885 nach dem Tode ihrer Mutter das Stadttheater.

Im Jahre 1893 erhielt das Haus eine bessere Ausleuchtung der Bühne und im Jubiläumsjahr 1897 einen neuen Theatervorhang. Die Außenfassade und das Foyer wurden renoviert.
Ein Durchbruch zur nebenan grenzenden Konditorei wurde geschaffen und 1898 der Gehsteig vor dem Theater erhöht, damit die Besucher das Haus besser erreichen konnten.
1907 wollten die Besitzer von der Stadtgemeinde finanzielle Unterstützung für die Verbesserung der Beleuchtung, was jedoch die Gemeinde mit dem Hinweis auf die bereits geleisteten Zahlungen ablehnte. Daher konnten die Aufführungen 1908 erst verspätet beginnen. 1917 starb Josef Kotzky und Karl Kotzky übernahm nun alleine das Theater.

Am 26. Juni 1918 beschloss die Stadtgemeinde Gmunden den Ankauf des Gebäudes – samt Einrichtung und Theaterfundus – zum Betrag von 150.000 Kronen. Das Jahr 1913 brachte für das Theater eine wichtige Neuerung: Die Stadtgemeinde erwarb die Lichtspiellizenz, und somit konnten neben dem Theaterbetrieb während des ganzen Jahres „erziehliche und unterhaltsame“ Kinofilme gezeigt werden.
Nach Renovierungen im Jahre 1920 mit Kosten in der Höhe von 23.000 Kronen konnte dann im Jahre 1931 - nach Anschaffung der entsprechenden technischen Vorführgeräte - der erste Tonfilm vorgeführt werden.

1947 beschloss die Stadtgemeinde einen neuerlichen und höchst notwendigen Umbau durch die Architekten Ubl und Matuschek, der 100.000 Schilling vorsah, aber letztendlich 400.000 S  verschlang. Allein für den herrlichen Kristallluster musste man 40.000 Schilling aufwenden. Dieser Umbau wurde nicht ohne Kritik durchgeführt (Nachkriegszeit, Wohnungsnot!).
Das Stadttheater wurde erst 1949 wiedereröffnet. Schon 1950 begann der nächste Umbau. Dabei wurden die Bühne und der Schnürboden, die Lichtanlage und die sanitären Anlagen erneuert.

1997 beschloss die Stadtgemeinde den bis dato größten Umbau und beauftragte damit den planenden Architekten Henner Gall. Der Foyerbereich wurde vollkommen neugestaltet, und in einer weiteren Etappe wurde ein kleinerer Saal für das Programmkino mit 89 Sitzplätzen geschaffen. Die damals modernste Vorführtechnik für Filme wurde eingebaut. Auch die Künstlergarderoben und andere Räumlichkeiten im Untergeschoß wurden renoviert. Die öffentliche Toilettenanlage wurde auch wieder auf den neuesten Stand gebracht. Der Bühnenbereich erhielt eine zusätzliche Beleuchtung, neue Winden und Prospektzüge.
Diese großzügige Renovierung verschlang insgesamt 32 Mio. Schilling. Sie konnte Ende 1998 abgeschlossen werden. Die Gesellschaft für den Wohnbau war als Generalunternehmen verpflichtet worden. Ein großes Fest und eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Alles Theater“ folgten. Man bot viele Veranstaltungen, die die Multifunktionalität des neuen Hauses zeigen sollten. Von Anfang 1999 (Neujahrskonzert) bis 23. Februar 1999 veranstaltete man ein Klavierkonzert, brachte Theaterstücke, ein Musical, ein Ballett und zeigte Filme.

Seit einigen Jahren betreibt Mag. Martin Apfler unser Stadttheater. Viele Kinovorführungen, Theater und Operetten, Sprechstücke, Gesellschaftsempfänge, Lesungen, Vorträge, Bälle und Narrensitzungen werden den Gmundnerinnen und Gmundnern von verschiedenen Veranstaltern angeboten.

  
Der äußere Eingang durch eine Drehtüre und der Aufgang zum Theater im Foyer


Die Bühne mit Filmleinwand


Der Zuschauerraum ist bereit für eine Modenschau


Das alte Stadtwappen im großen Theatersaal


Der kleine, moderne Kinosaal


Die Eingangstüre zum Theatersaal

 
Das Foyer mit Kassen- und Bar-Bereich

Diesen Beitrag verfasste August Mayer, Obmann des Gmundner Musealvereines im Februar 2020

Verwendete Literatur:
Geschichte der Stadt Gmunden, Dr. Ferdinand Krakowizer Bd. III
Gmundner Chronik, Karl Piringer, Bd. I bis V
Gmundner Chronik, Altbürgermeister OSR Erwin Herrmann, Bd. I und II
Festschrift „Alles Theater“ von Kustos Ingrid Spitzbart