Kirchengasse linke Seite

Kirchengasse linke Seite
Eckhaus Kirchengasse 1 / Rathausplatz 3 Denkmalschutz
Früher hatte dieses Haus zwei Adressen: Kirchengasse 1. und Rathausplatz 3, heute nur mehr Rathausplatz 1. Aus historischer Sicht muss das Haus dennoch hier behandelt werden, auch wenn die beiden Holzvorbauten Streicher und Lunzer eigentlich die ersten Gebäude in der linken Hälfte der Kirchengasse waren.
Das große Gebäude besaß ab 1788 die Glaserfamilie Lidauer. Die Familie betrieb die Glaserei bis 1867/68. Seit 1868 die Glaserei Lindner; in den 1950er Jahren und später Glaserei Göttersdorfer, dann Uhren und Schmuck Reiter, heute Trachtengeschäft Gössl.
Vorbauten mit gleicher Adresse Kirchengasse 1:
Im ersten Holzanbau noch nahe am Rathausplatz Delikatessen Streicher.
Oberhalb davon ebenfalls in einem Holzanbau der Betrieb des Handschuhmachers und Kürschners Lun(c)zer; später Lederhosen-Erzeugung Lunzer; zuletzt Lederhosen Ahammer.


Die Geschäfte Streicher und Lunzer (dahinter) waren Vorbauten des imposanten Eckhauses Kirchengasse 1 / Rathausplatz 3, o. J.

        

 
Die wirklich nicht schönen dem Haus Kirchengasse 1 / Rathausplatz 3 vorgebauten kleinen Geschäfte Streicher und Lunzer wurden nach 1952 geschleift.

 
Haus Rathausplatz 3 / ursprünglich Kirchengasse 1; heute nur mehr Rathausplatz 3

Haus Kirchengasse 3 Denkmalschutz
Das Haus Kirchengasse 3 wurde bereits 1602 urkundlich als Salzfertigerhaus genannt. Das ehemalige Salzfertigerhaus beherbergte von 1786 bis 1829 das Gasthaus zum goldenen Hirschen. 1829 gingen die „Gastgewerbsgerechtigkeit“ und der Wirtshausname an das Haus Traundorf 50, Linzerstraße 4. 1847 war das Haus im Besitz der Schuhmacherfamilie Walter, ab 1886 der Fleischhauerfamilie Lüer.Nach dem großen Brand in der Kirchengasse im Jahr 1896 wurden die Objekte der Brandstätte verkauft: Die Reste des Hauses Kirchengasse 3 gingen an den Weinhändler Karl Spiesberger. Dieser ließ sie entfernen und an deren Stelle ein neues prächtiges Haus errichten. Bereits damals erhielt es sein heutiges Aussehen. Darin wurde u. a. von der Familie Spiesberger ein Weinhaus mit den Meraner Weinstuben eingerichtet. Im Jahr 1897 wurde das neue Lokal eröffnet. Herrmann I 320 700-Jahr-Broschüre

Das Weinhaus Spiesberger mit Meraner Weinstuben ist eigentlich ein Doppelhaus.

    

Der vordere untere Teil des Spiesbergerhauses einst und heue

                    
Der hintere obere Teil des Weinhauses Spiesberger heute


In dem riesigen Gebäude fanden im Laufe der Zeit zahlreiche andere Betriebe und Geschäfte Platz. So z. B. die Kleiderhandlung Ignaz und Eleonore Fischer, der Lebensmittel- und Gemüsehändler Knauer, die Schuhmacher Hans Woschitz und Anton Leithner, der Krämer-, Obst- und Gemüsehändlerfamilie Brandstetter, der Porzellanmaler Johann Hufnagl, der Wachszieher Franz Swoboda, die Damenschneiderin Antonie Smeykal, der Gürtler Hermann: Kotiborsky  und der Spediteur Johann Haslinger hatte hier sein Büro.
Im 1. Stock des oberen Hauses war auch die Ordination von Dr. Ernst Habit untergebracht. Selbst das lange Zeit existierende Musikfachgeschäft Hozenauer befand sich später daneben in einem kleinen Gewölbe. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befand sich hier zuerst der Lebzelter Asam, dann die Konditorei Wickenhauser, in der 2. Hälfte das Obst- und Gemüsegeschäft Edthofer. später darin verschiedene andere Betriebe. Heute im Gewölbe der Traunseeladen.


Die Hauswand schmückt bis heute das Keramikrelief „Die Traubenträger“ von Emilie Schleiß.

 
Die „Madonna der Apokalypse“ am Weinhaus Spiesberger

Am Beginn der Kirchengasse (meistens gegenüber dem Haus Spiesberger und auch auf dem durch den Abriss des Streicher-Geschäftes frei gewordenen Platz) war immer ein mobiler Verkaufsstand vom "Lebzelter Harringer".

Haus Kirchengasse 5
Dieses auch vom großen Brand in der Kirchengasse betroffene Gebäude besaß vor dem Brand ab 1831 die Seilerfamilie Klein und ab 1881 die Familie Barth. Die Reste des Hauses wurden an den Kaufmann Josef Schadler verkauft, der schon seit 1870 im Haus ein Textilgeschäft betrieben hatte. Dieser ließ sie niedergerissen und einen Neubau errichten. Damals erhielt das Gebäude in etwa sein heutiges Aussehen. Josef Schadler führte im Neubau sein Geschäft weiter. Um 1890 hieß es „Geschäft für Futterwaren für Schneidereien und Zubehörartikel“. Später wurde es als Schadlers Modegeschäft „Zur Linzerin“ geführt. 1905 übernahmen die beiden Kaufleute Hugo Kamenović und Hermann Smetana gemeinsam das frühere Modegeschäft „Zur Linzerin“ und richteten darin das Konfektions- und Textilkaufhaus „Zur Billigkeit“ ein. Nach der Auflösung des Modegeschäftes „Zur Billigkeit“ im Jahr 1921 zog in die Räume die Lebensmittelgroßhandlung Rudolf Seyru(c)k ein. Sie hielt sich dort bis in die 1950er Jahre. Dann etablierte sich dort das Sport- und Modegeschäft Breneis. Heute darin das Trödlergeschäft Laimer.

 
Das Haus Kirchengasse 5 heute

Haus Kirchengasse 7 Denkmalschutz
Besitzer: ab 1799 Gastwirtfamilie Huemer; ab 1866 Fleischhauerfamilie Derflinger, ab 1891 Fleischhauerfamilie Lüer
Darin gab es folgende Fleischerbetriebe: ab 1858 Huemer, ab 1873 Derflinger, ab 1877 Lüer; in den 1950er-Jahren Fleischhauerei und Geschäft Pepöck, ehemaliger Hoflieferant des Herzogs von Cumberland.
Später darin das Teppichhaus Schwarzäugl. Heute Schuhgeschäft Kürmayr.

  
Fassade des Hauses Kirchengasse 7 heute

Haus Kirchengasse 9 Denkmalschutz
In dem Haus befand sich ursprünglich auch die erste Gmundner Druckerei, die bekannte Druckerei Habacher. Der aus Wels gebürtige Johann Habacher eröffnete seinen Betrieb am 31. Mai 1851 in diesem damals dem Fischer Leopold Fischill gehörenden Haus. Der Betrieb übersiedelte allerdings bereits im November 1859 in das visavis dem Haupteingang der katholischen Pfarrkirche gelegene sog. Schulhaus, Kirchenplatz 1.
Ab 1895 gehörte das Haus Kirchengasse 9 der Buchbinderfamilie Osterkorn. Jahrzehnte lang arbeite die Familie in dieser Branche. Anfang des 20. Jahrhunderts folgte ihr der Buchbinder, Papierhändler und Ledergalanteriewarenerzeuger Josef Wiesinger nach. Es ist kein Wunder, dass im 20. Jahrhundert ein Branchenkollege den Betrieb übernahm, nämlich die Buchbinderei und Papierhandlung Lüer. Im Haus ordinierte einst der berühmte Gmundner Arzt und Lokalhistoriker Dr. Hans Wolfsgruber. Weitere Betriebe hatten in diesem geräumigen Gebäude ihren Sitz: die Schuhmacher Hendrich, Weinmann und Gerhart, der Schneider Anton Hirschvogel. Ab 1931 schuf Karl Födinger in diesem Haus seine Keramik Födinger.
In den 1950er Jahren gab es an diesem Standort das Geschäft Papier-Schulbedarf Schuster, noch immer den Schuhmacher Gerhart mit seinem Schuhgeschäft, die Keramikwerkstätte Karl Födinger sowie die Buchbinderei Lüer. Heute Buchbinder Lüer und Optiker Aichinger.

 
Das Haus Kirchengasse 9 heute

      
Papierhandlung Schuster 
(links) und Schuhgeschäft Gerhart (rechts)


Papierhandlung Fritz Schuster
 
 
Das Geschäftsschild „KERA“ stammt von der Keramik Födinger.

 
Innenhof des Hauses Kirchengasse 9

Haus Kirchengasse 11 Denkmalschutz
Das Haus besteht schon mindestens seit 1540 und gehörte im Laufe der Zeit verschiedenen Besitzern. Im Hofe befindet sich eine Steinsäule mit der Jahreszahl 1590. Vom Hof führt ein Durchgang zur Badgasse. Die Fenster des Hauses zur Kirchengasse haben sehr schöne aus Stein gemeißelte Gesimse.
Von 1716 bis 1785 war das Haus Herberge der Fleischhauer, Drechsler, Zimmerleute, Maurer und Steinmetze. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist es als „Gasthaus zum goldenen Löwen“ ausgewiesen und wurde ab damals als solches genutzt. Es war bis zuletzt eines der populärsten Gasthäuser der Stadt. Von 1859 bis 1900 scheint sehr oft die Familie Forstinger als Besitzer auf. Im Adressbuch des Jahres 1914 findet man einen neuen Besitzer: August Mayer (1898-1944). Er war seit 22. Juni 1906 mit Frau Josefa Kirchmayr vom Gut Mair zu Waldbach (Ziegelei, Landwirtschaft…) verheiratet. Im Mai 1926 hat dieser August Mayer im Haus den Löwenkeller eröffnet. Darüber berichtete die „Salzkammergut-Zeitung“ am 30.5.1926, Nr.22/5 Folgendes:

Eröffnung des Löwenkellers in Gmunden
Es war als Pfingstgabe für die Freunde des „edlen Gerstensaftes“ gedacht. Den Gästen blieb daher auch die Wahl zwischen fünf Sorten Bier, darunter das berühmte „Pilsner“. Der Keller selbst war mit allen Finessen ausgestattet. Herr August Mayer, Löwenwirt in Gmunden, Kirchengasse, hatte keine finanziellen Mittel gescheut, um dem Kurort eine „Neuheit“ zu geben.

Im Löwenkeller hat Herr Mayer sogar sogenannte „Zunftecken“ für Fleischer, Bäcker usw. eingerichtet. Dieser Keller ging aber nicht sehr gut, sodass es zu finanziellen Turbulenzen kam, denn man hatte große Schulden bei der Brauerei Zipf. Um diese abzubauen, mussten nach einem Übereinkommen mit dieser Brauerei ab 1946 dessen Sohn August Mayer jun. und dessen Frau Gertrud Mayer gemeinsam mit der Fam. Sonnleitner (Frau Sonnleitner war eine geborene Mayer) den „Löwen“ übernehmen. Diese Familien haben den „Löwen“ bis ca. 1950 weitergeführt. Dann wurde er von Herrn Schlosser übernommen. Zuletzt hat ihn dieser verpachtet.


Foto von der Gaststube des „Löwen“ aus der Piringer-Chronik Bd. 2, S. 337

Im Haus arbeitete früher auch der Schneider In(n)ocente. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten die Advokaten Dr. Karl Beistorfer und Dr. Leo Ghon eine Zeit lang darin ihre Büros. Im selben Haus war links war auch in den 50er/60er Jahren der Elektrofachhandel Hermann Preinerstorfer. Heute u. a. bfi-Bezirksbildungszentrum, Friseurgeschäft und Dritter-Welt-Laden „ARTemis“.

 
Der Gasthof Löwe vor dem Umbau im Jahre 1926

                                                                               
Im ehemaligen Stüberl des „Löwen“
ist heute der Dritte-Welt-Laden „ARTemis“.


Im rechten Teil dieses Hauses befindet sich heute ein Friseurgeschäft

Haus Kirchengasse 13, auch Salzfertigergasse 2
Dieses Haus war spätestens ab 1829 Domizil verschiedener Bäckersfamilien. Am längsten hielt sich hier ab 1851 die Bäcker- und Lebzelterfamilie Rastinger. Sie beendete erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts ihre Tätigkeit. Früher hatte auch Dr. Josef Schausberger darin seine Ordination. Heute dort das Modegeschäft Hutchison & Scherer.

 
Das Haus Kirchengasse 13 in den 1950er Jahren


und heute

Eckhaus Kirchengasse 15
, auch Pfarrhofgasse 4
Besitzer: ab 1827 Eisenhändlerfamilie Hofer; ab 1867 Eisenhändlerehepaar Vincenz Bauer
Das alte Haus wurde 1875 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt; ab 1885 Bildhauer Alois Moser, 1914 Monika Moser; mindestens seit 1904 Schuhgeschäft Monika Moser; um 1923 im Gebäude das Schuhgeschäft Moser, die Eisenhandlung Bauer, der Bildhauer Moser; später das Schuhgeschäft Hartmannsgruber; dann hier das erste Schuhgeschäft von Ernst Hartleitner;  ab den 1960er Jahren Bodenbeläge Waidacher; heute Kunsthandlung.

 
Das Eckhaus Kirchengasse 15 / Pfarrhofgasse 4 heute

 
Auslage der im Haus eingerichteten Kunsthandlung

  
Am linken Rand des Gebäudes liest man das Entstehungsjahr des Hauses: „1570“.