Vom „Hois‘ngut“ zum Seegasthaus Hois‘n

Im „Josephinischen Lagebuch“, das im Jahre 1787 unter dem Sohn Maria Theresias, Kaiser Joseph II. angelegt wurde, scheint unter der ersten Hausnummer Traunstein 14 am „Hipelbauerngut“ ein Gaig Jakob auf. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um einen Sohn von Gaigg Franz. Um 1770 wurden in unserer Gegend die Hausnummern eingeführt.

Im „Alten Grundbuch“, das in den Jahren 1790 bis 1793 angelegt wurde, scheint unter der neuen Hausnummer Traunstein 11 (alte Hausnummer 14) unter dem Hofnamen „Hübelbauerngut unterm Stein“ immer noch ein Gaigg Jakob auf. Das Gut wurde schon im Jahre 1765 von Jakob Gaigg erworben. Das „Hois‘ngut“ war ursprünglich ein Herrschaftsbesitz und gehörte um 1800 einem Baron Mooskopf. Nun nach diesem kleinen Exkurs in die Hausgeschichte nun zur Familie Schallmeiner.

Die Familie Schallmeiner und das „Hois‘ngut“ 

Im Jahre 1848 erhielt die Sophie I. einen neuen hölzernen Schiffsrumpf, da der ursprüngliche bereits schadhaft geworden war. Auch dieses zweite Schiff wurde Sophie (II.) genannt. Die Maschine der ersten Sophie wurde in diesem Schiff weitergenutzt. Im Jahre 1858 erhielt die Sophie mit der Elisabeth ein Schwesterschiff auf dem Traunsee. 

Im Jahre 1862 erhielt das Schiff einen genieteten Stahlrumpf und wurde so zur Sophie III. In Gmunden-Ort wurden die von der Schiffswerft der Gebrüder Ruston in Floridsdorf bei Wien gefertigten Teile zusammengesetzt. Die ursprüngliche Dampfmaschine der Sophie I. wurde weiter genutzt und erst im Jahre 1901 durch eine 180 PS starke Verbunddampfmaschine der Dampfschiffs- und Maschinenbauanstalt der Österreichischen Nordwest-Dampfschifffahrt-Gesellschaft in Dresden ersetzt. Das Schiff war nun mit 84 Tonnen vermessen und noch bis in die 1930er Jahre im Einsatz. An diese Zeit dürfte Johann Schallmeiner sehr gerne gedacht haben, weil er auf fast allen erhaltenen Fotos mit seiner Kapitänsmütze zu sehen ist. 

Durch seine Tätigkeit am Schiff erfuhr er auch von einem beabsichtigten Verkauf des „Hois‘ngutes“, welches damals ein Staudinger Franz schon als Jausenstation betrieb. 

Woher kommt der Name „Hois‘n“?
Holger Höllwerth deutet in seinem Buch „Gmundens historische Gasthäuser“ den Begriff folgendermaßen: es ist eine alte Dialektform für den Vornahmen Mathias, also „Hias“. Aus der Familie Schallmeiner kommt eine zweite Deutungsweise. Ein Sprachwissenschaftler fand für die Familie Schallmeiner eine andere Deutung. Salz wurde schon in grauer Vergangenheit von Ebensee nach Gmunden über den See transportiert. Zu dieser Zeit gab es weder eine Eisenbahnverbindung (Eröffnung erst am 23. Oktober 1877), noch eine Straße, die Ebensee mit Gmunden verbunden hat (Baubeginn am 9. Juni 1856, Fertigstellung Sommer 1861).  

Unterm Stein gab es aber schon eine schmale Verbindungsstraße, die vom „Hois‘n“ am sogenannten Seeuferweg nach Gmunden führte. Die Salzschiffer legten beim Gasthaus „Hois‘n“ um sich zu stärken an. Es gab damals im Gasthaus schon einen guten Most. Man kennt den Begriff „Halse“ vom Segeln. Eine Halse bezeichnet ein Manöver beim Segeln und scheinbar gab es das auch bei den Salzschiffen. Im Dialekt sagt man auch „hoisn“ und man ist damit ja fast schon beim Namen der Restauration.  

Johann Schallmeiner war weithin durch seine besondere Begrüßungsform bekannt. Einlangende Gäste wurden mit einem kräftigen Schlag auf den Rücken oder auf die Schulter begrüßt. Sogar Kaiser Franz Josef, der öfter in das Traunsteingebiet zur Jagd kam, verlangte den Schulterschlag. Der fiel jedoch ganz anders aus. Die begleitenden Hofbeamten gaben strikte Anweisungen und so legte ihm Johann Schallmeiner nur die Hand respektvoll in geringem Abstand auf die Schulter. Stammgäste, bei denen der Schlag besonders kräftig ausfiel, ließen sich auch etwas einfallen. So soll ein Gast ein Nagelbrett auf der Schulter getragen haben. Der Schulterschlag dürfte dann aufgrund der Verletzungen eine Zeit lang ausgefallen sein.

Am 9.8.1928 verstarb Josefa Schallmeiner, geb. Fischill, die Gattin des Hois‘nwirts Johann Schallmeiner nach längerer Krankheit an einem Herzfehler („Vitium cordis“). Am 21.04.1929 kam es zu einer Ausstandsfeier. Johann Schallmeiner ging nach dem Tode seiner Gattin Josefa, geb. Fischill jetzt offiziell mit einer bei ihm in der Restauration beschäftigten Cilly (Zäzilia) Kraml eine Beziehung ein, die in der Familie schon vorher für Aufruhr gesorgt hatte. 
Diese Beziehung bestand angeblich schon während seine Frau Josefa noch lebte. Johann war 65 Jahre und Cilly war erst 28 Jahre alt. Es kam zum Bruch innerhalb der Familie und Johann zog mit seiner jungen Geliebten nach Ebensee, um dort in Rindbach das Gasthaus Rindbachmühle (alte Hausnummer Rindbach 130) ab dem 1. Mai 1929 zu betreiben. Am 27.04.1929 heiratete Johann Schallmeiner die Kellnerin Zäzilia Kraml in Gmunden. Diese kurz angesetzte Hochzeit fand ohne Beisein seiner Kinder statt. Als Beistände fungierten ein Franz Peinsteiner, Bundesoberförster aus der Pfarre Orth Nr. 41 und ein Karl Prillinger, Besitzer der „Großen Ramsau“, Traunstein Nr. 15. Dieses junge Glück sollte ihm jedoch nicht lange gewährt sein.  

Am 28.4.1929 wurde sogar in der Salzkammergutzeitung über den Ortswechsel berichtet. Er nahm angeblich alles, was nicht niet- und nagelfest war, mit nach Ebensee und transportierte das Übersiedlungsgut mit einem Liniendampfschiff in sein neues Domizil. Diese Sache dürfte in der Familie zum völligen Bruch geführt haben, weil man für lange Zeit keinen Kontakt mehr miteinander hatte. Auch für Johann war der Abschied sicherlich nicht leicht gewesen, weil er fast 33 Jahre lang das Gasthaus „Hois‘n“ als Wirt betrieben hatte.

Am 9.8.1929 verstarb Johann Nepomuk Schallmeiner um 1915 Uhr in Ebensee, Rindbach 130 im Gasthaus Rindbachmühle durch eine Herzmuskelentartung. Versehen mit den Sterbesakramenten durch Pfarrer Uttentaler wurde er nach Gmunden überstellt und dort am 12.08.1929, um 0600 Uhr – also sehr zeitig in der Früh - begraben. Das spätere Grab der Familie Schallmeiner wurde an einem anderen Ort errichtet. Die Einsegnung nahm Pfarrer Josef Köttl vor. Die letzten Geschehnisse dürften ihm vielleicht auch näher gegangen sein, als er es sich zugestehen wollte. Diese Ortsveränderung und die junge Frau konnte er nicht einmal 4 Monate erleben, es war also nur ein kurzes Vergnügen.

Erst Jahre später, als ein Hois‘n-Nachkomme dort hinkam, sollen sogar die Teller mit der Aufschrift „Hois‘n“ noch verwendet worden sein. Die Gäste die aus Gründen der Neugierde das Gasthaus Rindbachmühle lange nach dem Tod von Johann aufsuchten und von seiner Witwe Cilly sehr unfreundlich bedient und hinauskomplimentiert wurden. Auf eine Rückfrage der Besucher, ob sie denn wisse, wen sie da hinausschmiss, verneinte sie, weil sie die Nachkommen nicht mehr erkannte. Als sich diese als Hois‘n-Nachkommen zu erkennen gaben, sagte sie nur trocken: „dann kehrt‘s erst recht hinausgschmissn!“

Nun nach dem Exkurs nach Ebensee wieder zurück zum Gasthaus „Hois‘n“ unterm Stein. Die weiteren Besitzer sind:

10.02.1969
Übernahme des Gasthauses in der dritten Generation durch Johann Schallmeiner, verheiratet mit Adelgunde, geb. Wimmer.
Frühjahr 1988
Übernahme des Gasthauses in der vierten Generation durch Johann Schallmeiner, (*21.10.1960), verheiratet mit Rosi, geb. Fischinger (*27.02.1955).
Im Juni 2025 
Übernahme des Gasthauses in der fünften Generation durch die Tochter Johanna (*31.12.1990) und ihrem Mann Christian Schallmeiner (*04.08.1990)


Ein Familienfoto mit der vierten und fünften Generation. Von links: Rosi Schallmeiner, Johann Schallmeiner, Marie Schallmeiner, die Tochter von Johanna und Christian Schallmeiner. 
Original: Fam. Schallmeiner 

Sehr gut beschreibt die Geschichte des Hauses „Hois‘ngut Nr. 11“ in Traunstein eine Festschrift anlässlich „100 Jahre Familie Schallmeiner am „Hois‘ngut“. Die aktuelle Anschrift ist Traunsteinstraße 277. Im Anhang ist der Zeitungsartikel zu lesen …. 

Quellenverzeichnis:
Familienarchiv Thallinger
Kirchenmatriken Pfarre Altmünster, Gmunden und Ebensee
Salzkammergutzeitung vom 28.4.1929
„Gmundens historische Gasthäuser“ von Holger Höllwerth, Seite 57
Archiv Christoph Standler, Traunkirchen
Fotosammlung Familie Schallmeiner 

Beitrag und Bildbearbeitung von Josef Thallinger