Historische Rückblicke

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hieß der östliche Teil der das Ufer entlang führende Straßenverbindung vom damaligen „Bräuer am See“ (später Hotel Krone; heute Wohn-, Ärzte- und Bürohaus, Franz-Joseph-Platz 3) bis zum Beginn der Kuferzeile „Generalstabsstraße. Der Name stammt aus der Zeit der napoleonischen Kriege. Auch Gmunden geriet in die Wirren dieses Krieges. Um sich besser verteidigen zu können, ließ das Ärar 1813 diese Straße erbauen. Damit legte man den Grundstein zu der längs der Esplanade bestehenden Fahrstraße.

Nach dem Bau der Uferpromenade wurde die parallel dazu verlaufende Generalstabsstraße in „Esplanade“ umbenannt. Diese begann ursprünglich wie die frühere Generalstabsstraße in etwa mit dem heutigen Haus Theatergasse 14 (2. Schleiss-Haus) und reichte bloß bis zur damaligen Villa Jagerspacher (heute Esplanade 12).

Um 1900 wurde die „Esplanadenstraße“ auf eine längere Wegstrecke ausgeweitet. Das war vor allem auch deshalb notwendig, weil den Häusern um den Kurpark die Adresse Franz-Joseph-Park 1 bis 16 zugewiesen wurde. (Vorher hatten die Häuser auch Esplanaden-Adressen!) Die Esplanadenstraße umfasste nun folgende Gebäude:
Esplanade 1: Hotel Austria
Esplanade 2: Kurhaus
Esplanade 3 / Franz-Joseph-Platz 16: Mayrhoferstöckl (Foto Moser)
Esplanade 4: Villa Deininger 
Esplanade 5: Cernohoushaus (später Stadtbücherei)  
Esplanade 6: Villa Wieninger / Bangyula I
Esplanade 7: Villa Götz / Villa Bangyula II
Esplanade 8 / Färbergasse 2: Haus Merwald
Esplanade 9 / Färbergasse 1: Villa Abpurg 
Esplanade 10 / Färbergasse 10: Hotel Bellevue (heute Bezirkshauptmannschaft)
Esplanade 11: Kaltwasserkuranstalt im Garten des Hotel Bellevue
Esplanade 12: Villa Jagerspacher / Humburg
Esplanade 13: Beistorferhaus
Esplanade 14 / Kuferzeile 1: Haus Köblinger /Lidauer I
Esplanade 15 / Kuferzeile 3: Haus Lidauer II
Esplanade 16 / Kuferzeile 5: Haus Seibert
Esplanade 17: Haus Schifbenger
Esplanade 18: Haus Horn / Gruber
Esplanade 19: Villa Malzer
Esplanade 20: Seevilla
Esplanade 21: Villa de Brucq / Villa Neumann-Spallart
Esplanade 22: Villa Nowak
Esplanade 23 / Lehengasse 2: Villa Nowak / Asam
Esplanade 24: Villa Tauber / Turkestan
Esplanade 25: damals dort noch kein Gebäude
Esplanade 26: Gartenhaus der Villa Marienheim
Esplanade 27: Villa Lehmann
Esplanade 28 / Kaltenbrunerstraße 2: Villa Marienheim
Esplanade 29: Café-Pavillon alias Café Esplanade
Esplanade 30: Vereinshaus des Union-Yacht-Clubs

(Heute beginnt die Esplanadenstraße mit dem Esplanadencafé Baumgartner. Dieses hat die Adresse Esplanade 1. Darauf folgt mit Nummer 3 die ehemalige Villa Rauschhofer mit Café Korso, dann die Villa Deininger, Esplanade 4 usw. Die Esplanade endet heute auch noch mit dem Vereinshaus des Yacht-Clubs Esplanade 30. Die Nr. Esplanade 2 gibt es heute nicht mehr. Das Kurhaus ist ja 1941 abgebrannt. Die Villa Marienheim hat heute zusätzlich die Adresse Kaltenbrunerstraße 2.)


Eine der frühesten Aufnahmen von der Esplanade
Quelle: Internet IMAGNO / Jontes

Auch eine Verlängerung der Esplanade bis zu den Schlössern in Ort wurde ins Auge gefasst. Anton von Satori, ein reicher Unternehmer und Besitzer einer Villa und großem Park in Gmunden, hat sogar den möglichen Verlauf derselben skizziert. Das Projekt ist aber nie realisiert worden.


Projektskizze für die Verlängerung der Esplanade
Aus dem Skizzenbuch von Anton von Satori

Am 17. Juli 1862 eröffnete Dr. Christian Feurstein sein „Cur- und Badehaus“. 1865 wurde daraus das Hotel Bellevue.


Die Kur- und Badeanstalt Dr. Feurstein
rechts davon das zur Anstalt gehörende Wirtschaftsgebäude
Kolorierte Zeichnung von Carl Ritter 1866
Quelle: Internet DORIS Historische Ansichtskarten


Das Hotel Bellevue in seiner ganzen Pracht, o. J.
Quelle: Kammerhofmuseen

Die Stadt strebte wie Ischl das Kurstatut an. Um dieses zur erlangen, war die Aufstellung einer Wetterstation notwendig. Diese wurde beim Vereinslokal des Yachtclubs errichtet.


Die Wetterstation an der Esplanade
Quelle: Fotosammlung Schneider

Sehr bedeutsam für die Stadt war das städtische Kurhaus. Ursprünglich nannte man es „Cur-Casino“, dann auch „Kursalon“. Später sprach man nur mehr vom Kurhaus.


Das
in den Jahren 1867 und 1868 neu erbaute „Cur-Casino“-Gebäude an der Esplanade (Bildmitte)
links im Bild das im Biedermeierstil errichtet sog. Mayrhoferstöckl.
Aquarellierte Zeichnung von Carl Ritter 1869
Quelle: Grill: Carl Ritter S. 160


Das „Cur-Casino“ nach 1868
Quelle: ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Der „Kursalon“ in seinem ursprünglichen Zustand
rechts davon der dazu gehörende auf der Terrasse vor dem Gebäude situierte kleine Musikpavillon
Quelle: Zeichnung Wolfsgruber-Führer 1886


Das Kurhaus nach dem Zubau mit Türmchen vom See aus fotografiert
Quelle: Kammerhofmuseen


Der Eingangsbereich des erweiterten Kurhauses mit neuem Vorbau
Blick vom Kaiser Franz-Joseph-Platz Richtung See
Quelle: Sammlung Franz Pucher

Um die zahlreichen sich oft wochenlang in Gmunden aufhaltenden Kurgäste zu unterhalten, wurde bereits seit 1856, zuerst einmal wöchentlich, ein Konzert abgehalten. Ab 1865 konzertierte auf der Esplanade bereits täglich einmal eine extra dafür engagierte Kurkapelle. Musiziert wurde auch in einem auf der Terrasse des Kursalons befindlichen kleinen Pavillon (siehe oben).

Die Stadt hat 1872 beim zweiten Rondeau an der Esplanade gegenüber der Villa Malzer einen Pavillon mit einer Trinkhalle errichten lassen. In dieser sog. Sodahütte konnte man mit Soda angereicherte Erfrischungsgetränke und Mineralwässer bekommen.

Seit 1864 befand sich an der Esplanade ein Zuckerbäckerkiosk. Im Jahre 1871 errichtete die Stadt dann beim ersten Rondeau an der Esplanade den ersten großen Musikpavillon. Bei bzw. in diesem spielte die Kurmusik. Das brachte eine Bereicherung in künstlerischer Hinsicht. Im Frühjahr 1893 wurden der Kiosk und der Musikpavillon abgerissen. 1893 ließ die Stadtgemeinde Gmunden an der gleichen Stelle einen neuen - den zweiten - Musikpavillon errichten. Diesem schräg gegenüber wurde ein Caféhaus errichtet. Sein erster Name war Restaurations- und Café-Pavillon. Bald hieß das Lokal nur mehr Café Esplanade oder Café-Pavillon. Beide waren nun im Besitz der Gemeinde.


Der prächtige 2. Musikpavillon
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Blick von oben auf den Musik-Pavillon,
den Café-Pavillon und das Haus mit dem Café Korso
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Café-Pavillon
Vorderansicht: Blickrichtung stadtauswärts Richtung Yachtclub
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Kaiser-Franz-Joseph-Platz mit Kastanienallee
In der Mitte der Allee erkennt man links die Kuppel des zweiten Musikpavillons
und rechts den Helm des Café-Pavillons
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Passage vor dem Kurhaus
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Sommerfrischegesellschaft auf der Esplanade
Quelle: Kammerhofmuseen

An der Gmundner Esplanade hatten die sogenannten „Seefiaker“ ihren Hauptstandplatz. Sie mussten dafür einen jährlichen Pachtzins von 2 Gulden an die städtische Zentralkassa entrichten. Die Gmundner Kurgäste unternahmen von hier aus Vergnügungsfahrten zu den umliegenden Uferorten und Ausflugsgasthöfen. Dazu wurden sog. Gondeln verwendet. So nannte man die Kielboote, die in Gmunden und Umgebung gebaut wurden. Bei gutem Wind kamen zusätzlich die sog. Lateiner-Segel zur Anwendung.
Im Jahre 1899 wurden die Gmundner „Seefiaker“ in einer eigenen Genossenschaft vereinigt, die von einem Vorstand geleitet wurde. Diese Genossenschaft verfügte über 24 Konzessionen und 99 „Gondeln“. Text: Spitzbart Ansichten 1 Abb. 80 Ab etwa 1900 beherrschten die „Schifferlfahrer“, wie die Bootsvermieter in der Gmundner Umgangssprache genannt werden, diese Lände an der Esplanade. Als durch den Einbruch der Technik viele alte Berufe überflüssig geworden waren, fanden z. B. die ehemaligen Schiffer als Seefiaker eine neue Aufgabe.

S
Schifferl und Segelboote stehen zur Ausfahrt bereit.
Quelle: Prillinger: Grüße aus Gmunden Abb. 3


Am Ufer lagern Ruderboot, die auch mit Segel bestückt werden können
.
Quelle: Sammlung Peter Huemer

Bürgermeister Margelik holte sich am 21 November 1904 vom Herzogspaar die Erlaubnis, die Esplanade ganz offiziell „Ernst-August-Thyra-Esplanade“ nennen zu dürfen. Pir. 180 Prillinger Grüße Abb. 3 Mautner


Noch heute erinnert diese Tafel an der Esplanade
an die großzügigen Förderer des Esplanadenbaus
Herzog Ernst August und Herzogin Thyra
Quelle: Sammlung Peter Huemer

Seit Langem gab es an Seeufer die sog. Schwimmschule an der Esplanade. Diese entsprach aber längst nicht mehr dem Standard einer Kurstadt. Daher setzte sich die Gemeinde für die Errichtung einer neuen Schwimm- und Badeanstalt an der Esplanade ein. Bei ihrer Eröffnung am 15. Juni 1885 zählte diese zu den schönsten Seebädern Österreichs. Von einer breiten von der Esplanade ausgehenden Brücke gelangte man in einen Wartesalon und zu den Kassenräumen. Von dort ging es zu den beiden vollkommen getrennten Abteilungen für Herren und Damen. Jede Abteilung hatte ein großes Schwimmbassin und zwei geräumige Körbe für Nichtschwimmer: einen für Kinder und einen für Erwachsene. Zur Ausstattung der Badeanstalt gehörten weiters Duschanlagen. 12 Separat-Bäder, 110 Umkleidekabinen (davon vier Salonkabinen), ein Rettungsschiff sowie Rettungsringe. (Nachdem 1927 das Gmundner Strandbad in Ort eröffnet wurde, ging der Besuch in der alten Badeanstalt an der Esplanade stark zurück, und deshalb wurde sie 1928 demontiert.) GTB Spitzbart Ansichten 1 Abb. 89 und 90


Die
im Jahre 1885 neu erbaute Schwimm- und Badeanstalt an der Esplanade
um 1890
Quelle: Kammerhofmuseen Gmunden


Blick in die
Schwimm- und Badeanstalt an der Esplanade
Quelle: Kammerhofmuseen Gmunden

1883 erwarb der hiesige Geschäftsmann, Konditor und Cafetier Josef Horejschy ein in der Vorstadt Seestadtl gelegene Haus, heute Franz-Joseph-Platz 16, und ließ dort im Jahre 1893 einen Neubau errichten. In diesem eröffnete er am 9. Juli 1893 as Café Horejschy. Spätestens 1906 erhielt das Kaffeehaus nicht unpassend zur Promeniermeile Esplanade den Namen Café Korso.


Im Haus Franz-Josef-Platz 16 befand sich
lange Zeit zu ebener Erde das Café Korso.
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Passage an der Esplanade mit links dem damaligen Hotel Bellevue und in der Mitte der sog. Villa Abpurg
Quelle: Sammlung Peter Huemer

Das Ufer an der Esplanade wurde auch für diverse sportliche Aktivitäten wie Rudern, Segeln und Schwimmen genutzt.


Schwimmwettbewerb an der Esplanade
Quelle: Sammlung Peter Huemer


Segelboot vor dem Yachtclubsteg, um 1900
Quelle: Kammerhofmuseen


Ein Achter trainiert auf dem See.
Quelle: Internet

Im 1894 beauftragte Bürgermeister Alois Kaltenbruner den Gmundner Kunststeinmetzmeister Leopold Gigl zur Verschönerung des neuangelegten Franz-Joseph-Parks eine Kaiserbüste nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Natter anzufertigen. Bürgermeister Kaltenbruner bezahlte die Ausführung und Aufstellung des Kaiserdenkmals aus eigenen Mitteln. Am 16. Juli 1894 erfolgte in Gegenwart der Kaisertocher Erzherzogin Marie Valerie und ihres Gemahles Erzherzog Franz Salvator sowie zahlreicher Ehrengäste deren feierliche Enthüllung.


Die Eröffnung des Kaiser-Franz-Joseph-Denkmals
Quelle: Kammerhofmuseen

Ein Spektakel der besonderen Art waren die vor der Esplanade stattfindenden Blumenkorsi.


um 1899
Quelle: Internet Kartensammlung von Peter Altenberg

 
um 1910
Quelle: Internet IMAGNO / Austria Archives


1955
Quelle: Sammlung Hans Wagneder

   
1962
Quelle: Sammlung Hans Wagneder

Diese Unterseite wurde von Holger Höllwerth verfasst und gestaltet